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08. Dezember 2017

"Besser geht es nicht"

BZ-INTERVIEW mit Skiliftbetreiber Ernst Boll, der sich über den frühen Schnee am Wiedener Eck freut.

  1. Auch mit 80 noch täglich auf der Piste: Ernst Boll Foto: Gabriele Hennicke

  2. Ein Geheimtipp sowohl für alpine Skifahrer wie auch für die Langläufer: Das Skigebiet am Wiedener Eck, das dieses Jahr so früh wie selten schon viel Neuschnee hat. Foto: Raimund Haaf

MÜNSTERTAL. Mitte letzter Woche hat es kräftig geschneit. Seit Samstag laufen die Skilifte im Skigebiet Münstertal-Wieden rund um das Wiedener Eck. Zwei-Täler-Ski-Arena nennt sich das Gebiet zwischen Münstertal und Wiesental in der Nähe des Belchens. Das Gebiet gilt als Geheimtipp und Alternative zum überlaufenen Feldberg. Sechs Lifte umfasst der Verbund, fünf davon sind miteinander durch Pisten und Ziehwege verbunden. Skiliftbetreiber Ernst Boll aus Müllheim freut sich über den frühen Saisonbeginn. Gabriele Hennicke hat mit ihm gesprochen.

BZ: Es ist morgens um halb zehn. Haben Sie schon die Skiklamotten an?

Boll: Ja, klar. Gleich geht es los. Seit Samstag war ich jeden Tag Skifahren, außer montags, da pausiere ich immer. Am Samstag konnten wir Heistein-Lift, Eichbühl-Lift und Wiedener-Eck-Lift in Betrieb nehmen, am Sonntag auch noch den Rollspitz-Lift, der nach Wieden hinunter führt. Selbst an der Talstation des Heidstein-Liftes auf etwa 900 Metern haben wir 40 Zentimeter Pulverschnee, an der Bergstation des Wiedener-Eck-Liftes sogar 70 Zentimeter. Die Bedingungen sind also hervorragend, besser geht es nicht, dazu kommt das tolle Wetter.

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BZ: Das Skigebiet zwischen Münstertal und Wieden gilt als Geheimtipp. Ist das für Sie Segen oder Fluch?

Boll: Für die Skifahrer ist es ein Segen, weil das Gebiet auch am Wochenende nicht so überfüllt ist, wie beispielsweise der Feldberg. Es gibt genügend Parkplätze. Unter der Woche ist wenig los. Für uns als Skiliftbetreiber ist es eher Fluch, denn wir bräuchten dringend mehr Betrieb und entsprechende Umsätze, damit wir investieren können. Seit Jahren kommen wir immer gerade nur so rum und können unsere Kosten decken.

BZ: Welche Investitionen stehen an?

Boll: Der Heidstein-Lift, mit seinen 1300 Metern ein sehr langer Lift, bräuchte neue Gehänge samt Bügeln. Allein das eine Investition von 120 000 Euro. Ein Gehänge kostet 1000 Euro.

BZ: Was tun Sie, um die Skifahrer ins Skigebiet zu locken?

Boll: Wir machen Werbung in der Zeitung, auch im Elsass. Über unsere Homepage kann man den Schneealarm bestellen, dann bekommt man eine Mail, wenn die Lifte laufen. Die beste Werbung ist jedoch die Mund-zu-Mund-Propaganda. Für viele Skifahrer ist der Heidstein der schönste Hang im Schwarzwald. Früher fanden hier sogar FIS-Rennen statt. Wir haben mit der Brennerei Schladerer und den Stadtwerken Müllheim-Staufen zwei Sponsoren, könnten aber durchaus weitere gebrauchen.

BZ: Haben Sie schon an Events gedacht?

Boll: Wir machen uns natürlich schon lange Gedanken in alle Richtungen. Unsere Schwierigkeit ist die fehlende Schneesicherheit. Events brauchen einen langen Vorlauf und viel Vorbereitung. Wenn dann kein Schnee liegt, verpufft alles, deshalb haben wir in diese Richtung noch nichts unternommen.

BZ: Gibt es Überlegungen zur Zusammenarbeit mit anderen Liftbetreibern?

Boll: Das haben wir geprüft, allerdings würde eine Zusammenarbeit mit den Skigebieten am Feldberg und am Belchen zunächst eine Investition in Höhe von etwa 200 000 Euros erfordern. Die bräuchten wir für ein neues elektronisches Kassensystem mit Drehkreuzen. Andere kleinere Skiliftbetreiber haben kein Interesse, das wissen wir aus Gesprächen. Wir arbeiten auch mit Skiclubs zusammen, der Skiclub Bollschweil beispielsweise macht bei uns Skikurse.

BZ: Gibt es bei Ihnen auch Saisonkarten?Boll: Ja, und die sind vergleichsweise günstig. Diese Investition hat man als regelmäßiger Skifahrer schnell wieder raus. Sie kosten 180 Euro für Erwachsene und 340 Euro für Familien, also für zwei Erwachsene und ihre Kinder. Tages- und Halbtageskarten gibt es ebenso wie Zwei- und Drei-Stunden-Karten.

BZ: Viele haben auch den Schwarzwald Skipass, der an über 80 Skiliften im gesamten Schwarzwald zum Skifahren berechtigt, gilt der auch im Skigebiet Münstertal-Wieden?

Boll: Ja, der gilt bei uns. Wir haben aber leider finanziell nicht viel davon. Er kostet fast doppelt so viel wie unsere Saisonkarte. Wer also fast immer bei uns fährt und nur ein-, zweimal am Feldberg, für den ist unsere Saisonkarte das bessere und günstigere Angebot.

BZ: Was wünschen Sie sich für diese
Saison?

Boll: Die Saison hat ja so früh angefangen, wie seit Jahren nicht. Ich wünsche mir natürlich, dass es kalt bleibt und kein Tauwetter einsetzt. Und dass wir in den Weihnachtsferien und an Fasnacht genug Schnee haben, denn dann wollen die Leute Skifahren. Dann könnte die Saison 2017/2018 die beste seit langem werden!

Ernst Boll (80) ist Geschäftsführer der Skilifte Münstertal-Wieden GmbH. Der frühere Metzgermeister aus Müllheim ist passionierter Skifahrer und seit dem Bau des Neuhof-Lifts 1976 Gesellschafter der GmbH.


Die Lifte sind täglich von 9 bis 16.45 geöffnet. Infos und Preise im Internet unter: http://www.skilifte-muenstertal-wieden.de

Autor: geh