Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. Mai 2014 17:35 Uhr

Nahverkehr

Münstertalbahn: Passen Züge und Gleis nicht zusammen?

Die Anwohner der modernisierten Münstertalbahn klagen über Lärm und Erschütterungen. Nun nennt ein Experte die mögliche Ursache: Passen Fahrzeuge und Gleiskonstruktion nicht zusammen?

  1. Züge, Gleis und Trasse passen auf der Münstertalbahn nicht zusammen, sagt Markus Hecht von der TU Berlin. Foto: A. Huber

Das sagt jedenfalls Markus Hecht, Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge an der Technischen Universität Berlin. Hecht war anlässlich der Feier zum 10. Jubiläum der IG Bohr in Bad Krozingen und hatte vor Beginn des Festaktes im Kurhaus am Dienstagabend, bei dem er auch als Referent auftrat, Gelegenheit sich die Münstertalbahn anzuschauen. "Obwohl eine anderweitig bewährte Gleiskonstruktion und anderweitig bewährte Fahrzeuge verwendet werden, liegt bei der vorgegebenen Trassierung eine gravierende dynamische Unstimmigkeit vor. Das heißt, das Gleis, das Fahrzeug und die Trassierung passen nicht zusammen. Es entstehen unzulässige mechanische Schwingungen. Das äußert sich nicht nur in Lärm und Erschütterungen, sondern auch in einem extremen Verschleiß, der am Gleis bereits sichtbar ist", so lautet das Urteil von Markus Hecht.

"Doch die Züge sind ja jetzt da, damit muss man erst mal leben." Markus Hecht
Auf telefonische Nachfrage der BZ bestätigt Hecht, dass die im Münstertal eingesetzten Talent-2-Züge für diese Strecke nicht optimal seien – sie seien eher für gerade Strecken geeignet, auf denen hohe Geschwindigkeiten gefahren werden können. "Doch die Züge sind ja jetzt da, damit muss man erst mal leben." Hecht ist jedoch der Überzeugung, dass man auch mit den Talent-2-Zügen die Situation deutlich optimieren kann – und aus seiner Sicht auch muss. Denn: "Es ist dringendes Handeln angesagt, nicht nur wegen der Störung der Anwohner, sondern auch um den Schädigungsprozess aufzuhalten. Bei raschem Handeln sehe ich die Chance, das Gleis zu retten. Bei nichtadäquatem Handeln wird es innerhalb weniger Jahre zerrüttet sein. Bei den Fahrzeugen werden Dauerbrüche im Drehgestell und den hier angebauten Komponenten auftreten. Selbst die Sicherheit kann tangiert werden."

Werbung


Hecht: Kein außergewöhnliches Problem

Es gebe eine ganze Reihe von Maßnahmen, die ergriffen werden könnten – welche genau das sein könnten, könne aber erst nach detaillierten Schwingungsmessungen gesagt werden. Hecht, der im Gespräch mit der BZ seine Bereitschaft durchblicken ließ, in der Angelegenheit tätig zu werden, verweist auf andere ähnlich gelagerte Fälle, in denen sein Institut bereits Verschleiß-, Lärm- und Erschütterungsprobleme gelöst hat, unter anderem bei der S-Bahn und Straßenbahn in Stuttgart, bei der Bayerischen Oberlandbahn zwischen München und Lenggries und bei der Metro Medellin in Kolumbien.

Das Problem der Münstertalbahn sei kein außergewöhnliches, sagt Hecht, deshalb könne man auch niemandem einen Vorwurf machen. Jetzt aber die Hände in den Schoß zu legen oder die Schwingungsprobleme nach einer "Versuch und Irrtum-Methode" lösen zu wollen, bringe indes auch nichts. Am Ende, so ist Hecht überzeugt, seien die durch den Verschleiß entstehenden Kosten höher, als jetzt gezielte Optimierungsmaßnahmen anzugehen. Für ihn steht fest: "Eingriffe am Gleis und oder Fahrzeug sind unvermeidlich, sie sollten aber so erfolgen, dass möglichst geringe Kosten entstehen und natürlich die Zulassung nicht tangiert wird."

Mehr zum Thema:

Autor: Alexander Huber