Wir sind alle Brüder und Schwestern

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Sa, 14. April 2018

Lörrach

Trinationaler ökumenischer Kirchentag in Mulhouse rückt am 5. Mai die Themen Benachteiligung und Ausgrenzung in den Fokus.

LÖRRACH/MULHOUSE. "Wo ist dein Bruder? Wo ist deine Schwester?" So lautet das Motto des fünften Tages der Kirchen am Rheinknie (Kirk) am Samstag, 5. Mai, in Mulhouse. Schätzungsweise 4000 bis 5000 Christen aus dem Dreiländereck treffen sich bei dem trinationalen ökumenischen Kirchentag zu Gottesdiensten, Vorträgen, Podien, Workshops, Ausstellungen und Musik.

Was ist Kirk?
"Kirk" steht für "Kirche am Rheinknie". Alle vier Jahre organisiert dieser Zusammenschluss von Kirchen im Dreiländereck einen ökumenischen Kirchentag. Nach Basel (2011) und Lörrach (2003, 2014) ist nun Mulhouse zum zweiten Mal nach 2007 Gastgeber. Beteiligt sind die katholischen, altkatholischen und evangelischen Kirchen im Landkreis Lörrach, in den Kantonen Basel-Stadt und -land sowie im südlichen Elsass. Um die breite Bevölkerung anzusprechen und mitten in einer lebendigen Stadt präsent zu sein, entschieden sich die Organisatoren wie 2014 für einen Samstag.

Was steckt hinter dem Thema?
Das Thema lehnt sich an an die Frage Gottes an Kain, der seinen Bruder Abel erschlagen hat, wie in der Bibel zu lesen ist. Vor zwei Jahren, als die Vorbereitung begann, strömten Tausende Flüchtlinge nach Europa. In den Diskussionen sei rasch deutlich geworden, wie unterschiedlich die drei Länder mit dem Thema umgehen – "Wir schaffen das" in Deutschland, eine klare Abwehrreaktion in Frankreich und eher Gelassenheit in der Schweiz mit ohnehin hohem Ausländeranteil, berichtet Gerd Möller, Dekan im katholischen Dekanat Wiesental. Wie Pfarrerin Gudrun Mauvais als Vertreterin des evangelischen Kirchenbezirks Markgräflerland gehört er der Steuerungsgruppe an. Diese entschied, beim Kirk 2018 den Blick besonders auf Menschen zu richten, die am Rand stehen, benachteiligt sind und ausgegrenzt werden, erläutert Möller. Kirk 2018 stehe im Zeichen der Geschwisterlichkeit mit Fragestellungen um den Anderen, unser Verhalten gegenüber Ausländern, um Toleranz und gegenseitige Hilfe als Grundwerte unserer Gesellschaften, schreibt Michèle Lutz, Bürgermeisterin von Mulhouse.

Was wird geboten?
Eröffnet wird der Kirchentag um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Etienne. Ein vielfältiges Programm an verschiedenen Standorten der Stadt schließt sich an. Es lädt ein, zu diskutieren, Trennendes und Verbindendes zu entdecken, zu feiern, Spaß zu haben, erklärt Mauvais. Wichtig sei auch, "in der Gemeinschaft zu erleben, dass wir viele sind", ergänzt die evangelische Dekanin Bärbel Schäfer. Jo Spiegel, Bürgermeister im elsässischen Kingersheim, der Basler Stadt- und Kantonsentwickler Lukas Ott und Gudrun Heute-Bluhm, Geschäftsführerin beim Städtetag Baden-Württemberg und bis 2015 Lörrachs Oberbürgermeisterin, sprechen über "Demokratie der Geschwisterlichkeit". Schäfer und Möller bieten unter dem Titel "Healings of memories" (Heilendes Erinnern) Raum, um persönliche Erfahrungen mit der Ökumene auszutauschen. In einem weiteren Workshop mit der Dekanin geht es um neue Wege in den Kirchen. Die Posaunenchöre Markgräflerland/Hochrhein musizieren im Freien.

Für Jugendliche gibt es eine virtuelle Schnitzeljagd ein. Familien haben Gelegenheit, in Kirche, Moschee und Synagoge den drei abrahamitischen Religionen häher zu kommen. Bei einem Orgelkonzert wirken Musiker aus Offenburg, Liestal und Mulhouse mit. Am Markt der Möglichkeiten sind unter anderem Caritas und Diakonie aus dem Kreis Lörrach vertreten. Den Abschluss macht um 17 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst mit Trommeln und Tanz aus Afrika.

Wie komme ich hin?
Um die Anreise aus dem Landkreis zu erleichtern, haben Dekanat und Kirchenbezirk zwei Buslinien organisiert. Das Parken an den Einstiegsorten und die Mitfahrt sind wie die Angebote in Mulhouse kostenlos. "Auch Familien, die von Hartz IV leben, können sich so beteiligen und werden nicht weiter ausgegrenzt", sagt Schäfer. Busse fahren von Schönau (7.40 Uhr) über Höllstein (Aldi) und Lörrach (St. Peter) nach Mulhouse sowie von Rheinfelden (8 Uhr, St. Josef) über Lörrach (St. Peter) und Weil am Rhein (St. Peter und Paul). Rückfahrt ist um 18 Uhr.

Anmeldung für Busse: 07621/577096-0, dekanat@dekanat-ekima.info