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23. Juni 2012 16:50 Uhr

Nahost

Abschuss von Militärjet: Krach zwischen Türkei und Syrien

Neue Irritationen im Verhältnis zwischen der Türkei und Syrien: Auslöser ist der Abschuss eines türkischen Militärflugzeuges. Die Türkei will die Situation nicht eskalieren lassen.

  1. Ein Kampfflugzeug vom Typ Phantom F4 der türkischen Luftwaffe (Archivbild). Foto: dpa

Der Abschuss eines türkischen Militärflugzeuges durch Syrien hat das seit Monaten angespannte Verhältnis zwischen beiden Ländern weiter verschärft. Das Nato-Mitglied Türkei verlangte von der syrischen Führung am Samstag eine Erklärung für den Vorfall. Der Militärjet war in der Nähe der Küstenstadt Latakia abgeschossen worden. Von den beiden Piloten fehlte am Samstag noch jede Spur. Das türkische Kampfflugzeug soll nach syrischen Angaben in den Luftraum des Landes eingedrungen sein.

Der türkische Präsident Abdullah Gül räumte ein, dass die Maschine vom Typ F4-Phantom den syrischen Luftraum verletzt haben könnte. Es sei ein "Routinevorgang", dass mit hoher Geschwindigkeit fliegende Militärmaschinen kurzzeitig Grenzen überqueren, zitierte ihn Anadolu. In diesem Falle hätten aber "keine schlechten Absichten" vorgelegen, fügte er hinzu. Inzwischen seien Teile des Wracks gefunden worden, sagte Gül.

Die Beziehungen zwischen den einstigen Verbündeten hat sich verschlechtert, seit das Regime in Damaskus die Oppositionsbewegung gegen Präsident Baschar al-Assad gewaltsam niederschlagen lässt. Mehr als 30 000 Flüchtlinge aus Syrien haben in der Türkei inzwischen Zuflucht gefunden. Syrien wirft dem Nachbarland vor, dass es Waffenlieferungen für die Rebellen passieren lässt. Die Regierung in Ankara bestreitet das.

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Suche nach den Piloten fortgesetzt

Darüber hinaus wies die Türkei Ende Mai wie zahlreiche westliche Länder alle syrischen Diplomaten aus. Der Grund war das Massaker in Al-Hula mit mehr als 100 Toten. Daraufhin erklärte Syrien auch türkische Diplomaten zu unerwünschten Personen.
Die Türkei war am Samstag sichtlich bemüht, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Der Minister für EU-Angelegenheiten, Egemen Bagis, rief seine Landsleute zur Ruhe und Geduld auf. "Es ist wichtig, daran zu denken, dass nicht alles schwarz oder weiß ist", sagte er.

"Sobald wir eine Erklärung dafür erhalten, warum ein Übungsflugzeug ohne Kampfauftrag bei routinemäßigen Aufklärungsaktivitäten abgeschossen wird, werden wir sie der Öffentlichkeit mitteilen", sagte der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bulent Arinc am Samstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Das syrische Militär setzte unterdessen die Suche nach den beiden Piloten vor der Küste der Provinz Latakia fort. Flugzeuge der Luftwaffe und Marineeinheiten seien daran beteiligt, berichteten staatsnahe syrische Medien am Samstag.

Neues Kabinett in Syrien

Der im Inland von einem bewaffneten Volksaufstand bedrängte syrische Präsident Al-Assad ernannte am Samstag eine neue Regierung. Dem neuen Kabinett von Ministerpräsident Riad Farid Hedschab gehören ausschließlich loyale Parteigenossen und alte Gefolgsleute an. Die Schlüsselpositionen blieben gegenüber der Vorgänger-Regierung unverändert und in den Händen von Hardlinern.

Außenminister Walid al-Muallim, Verteidigungsminister Daud Radschha und Innenminister Ibrahim Schaar behalten ihre Posten, meldete das Staatsfernsehen. Der frühere Landwirtschaftsminister Hedschab, den Assad zum neuen Regierungschef bestimmte, gilt ebenfalls als "Falke".

Die Truppen des Assad-Regimes töteten am Samstag in ganz Syrien mindestens 25 Menschen, berichteten syrische Exil-Aktivisten. Allein in Homs starben nach diesen Angaben beim Artilleriebeschuss der belagerten Stadtteile Al-Kusair, Chaldijeh und Baba Amr zehn Zivilisten.

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Autor: dpa