Abtreibungsschiff vor Marokko

Reiner Wandler

Von Reiner Wandler

Sa, 06. Oktober 2012

Ausland

Protest gegen strikte Gesetze.

RABAT (wan). Das sogenannte Abtreibungsschiff der holländischen Frauenorganisation Women on Waves hat am Donnerstag mit Marokko erstmals ein muslimischen Land angelaufen. Kaum hatte das Schiff im Yachthafen in Smir, unweit der nordmarokkanischen Stadt Tetuan angelegt, zogen Polizei und Armee auf. "Der ganze Hafen wurde von Uniformierten und Zivilbeamten hermetisch abgeriegelt", beschwert sich die Sprecherin der Aktion, Rebecca Gomperts. Vor dem Hafen demonstrierten Frauen und Männer mit Fotos blutiger Föten. Schließlich wurde die Crew von einem Kriegsschiff gezwungen, die marokkanischen Hoheitsgewässer zu verlassen.

"Nicht einmal unser Anwalt durfte zurück an Bord. Die Mitglieder der Mannschaft wurden identifiziert und fotografiert", beschwert sich Gomperts. Sie will zusammen mit 20 holländischen und marokkanischen Aktivistinnen in Marokko bleiben. Women on Waves hatte in der Vergangenheit durch ähnliche Aktionen in Ländern wie Irland, Spanien oder Portugal für Aufsehen gesorgt. Täglich werden im nordafrikanischen Land zwischen 500 und 600 Abtreibungen vorgenommen, und das trotz striktem Verbot, berichtet die stellvertretenden Vorsitzenden der Marokkanischen Vereinigung zum Kampf gegen klandestine Abtreibung (AMLAC), Salwa Abourizk.

Das marokkanische Gesetz sieht für Frauen, die abtreiben, Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis zu zwei Jahren vor. Selbst im Falle einer Vergewaltigung ist eine Abtreibung illegal. Die meisten Abtreibungen werden in Marokko ohne hygienische und medizinische Garantien vorgenommen.