Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

03. August 2012

Ein Kampf auf verlorenem Posten

SYRIEN II:Kofi Annan sah keine Perspektive mehr.

GENF (dpa). Kofi Annans Einsatz für Frieden in Syrien wurde immer mehr zu einem Kampf, der an jenen des traurigen Romanhelden Don Quijote gegen die Windmühlenflügel erinnert. Der einstige UN-Generalsekretär stand auf verlorenem Posten. Seit die Vetomächte des UN-Sicherheitsrates im Juni bei einer Sonderkonferenz zur Syrien-Krise trotz aller Anstrengungen Annans hinter den Kulissen nicht zu einem Kompromiss fanden, wurde in diplomatischen Kreisen mit seinem Rücktritt gerechnet.

Der blutige Kampf um Aleppo und die Perspektive eines lang andauernden und opferreichen Bürgerkrieges nach einem Sturz des Diktators Baschar al-Assad haben nun den letzten Anstoß gegeben. Dass Annan den Grund für die Aussichtslosigkeit seiner Mission – abgesehen vom Regime in Damaskus und den oft kaum weniger brutalen Rebellen – in der Zerstrittenheit im UN-Sicherheitsrates sieht, hatte er bereits angedeutet.

Annan kritisiert die Vetomächte

Doch erst der Rücktritt ermöglicht es Annan, diplomatische Rücksichtnahme fallen zu lassen: Während das syrische Volk verzweifelt um Frieden bete, gehe in New York der Streit zwischen den Vetomächten weiter, beklagte er am Donnerstag in Genf – also zwischen Russland und China, die Assad stützen, auf der einen und den USA mit Frankreich und Großbritannien auf der anderen Seite. Sarkastisch stellte Annan fest: "Als Vermittler kann ich Frieden nicht mehr wünschen als die Akteure vor Ort, nicht mehr als der Sicherheitsrat oder die internationale Gemeinschaft." Die Erfahrung, dass Kriege anhalten und Tausende von Menschen getötet werden, weil die "P5", die mächtigen fünf permanenten Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, ihre eigenen Interessen verfolgen, hat Annan als UN-Generalsekretär immer wieder gemacht.

Werbung


Und er hat als oberster Beamter der Weltorganisation höchstens mal verschämt darauf hingewiesen. Dafür war ihm eine indirekte Mitschuld vorgeworfen worden, dass blutige Konflikte unter den Augen der Weltöffentlichkeit weitergingen. Dass er dies nicht erneut mitmachen würde, hatte der Friedensnobelpreisträger am 30. Juni in Genf den Außenministern der "P5" klar gemacht. Angesichts der Gräuel in Syrien fordert Annan die mächtigsten Staaten auf, endlich ihre Differenzen zu überwinden.

Autor: dpa