Milliardär Soros spendiert Geld – und erntet Hasstiraden

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Mi, 14. Februar 2018

Ausland

Der US-Investor unterstützt in Großbritannien Aktivisten gegen den Brexit / Rechtskonservative Medien geißeln ihn deshalb als Verschwörer.

George Soros lässt sich nicht so leicht einschüchtern. Auch nicht von rechtskonservativen Zeitungen in Großbritannien, die sich neuerdings auf den Milliardär und Philanthropen eingeschossen haben. Nein, das stärkt nur seine Entschlossenheit. Als vergangene Woche bekannt wurde, dass Soros’ "Stiftung für eine Offene Gesellschaft" Aktivisten gegen den Brexit 400 000 Pfund (gut 450 000 Euro) spendieren würde, waren der Daily Telegraph und die Daily Mail mit Hasstiraden über den 87-Jährigen hergefallen. Am Montag reagierte Soros auf seine Weise: Er legte noch einmal 100 000 Pfund drauf.

Bislang hat der US-Investor nun rund 800 000 Pfund lockergemacht, um in Sachen Brexit noch ein Umdenken auf der Insel zu erwirken. Er tue das, weil ihm das Vereinigte Königreich "am Herzen" liege, hat er erklärt. Man müsse den Leuten deutlich machen, wie gefährlich die Abkoppelung von der EU für sie sei. Auf keinen Fall könne er mit ansehen, wie aus Britannien und Europa, den alten Freunden, plötzlich Feinde würden. Ganz abgesehen davon, was der Brexit in der britischen Gesellschaft anrichte: "Die alten Wähler haben die jungen überstimmt, die nun auf Jahrzehnte hin mit den Folgen des Brexit zu leben haben. Das verschärft bei der Jugend nur die Desillusionierung mit der Demokratie."

Für Demokratie, Bürgerrechte, Minderheitenschutz und Flüchtlingshilfe zieht Soros schon länger leidenschaftlich zu Felde. Für entsprechende Kampagnen hat er enorme Summen eingesetzt. In Osteuropa hat ihm das hasserfüllte Reaktionen auch von offizieller Seite, oft mit antisemitischen Tönen, eingebracht. Als "antinational und antichristlich" steht "der gefährlichste Mann der Welt" dort vielerorts am Pranger. Regierungsplakate in Ungarn zeigen ihn als feixenden Spekulanten, dem man das Handwerk legen müsse. Manche Plakate sind mit Graffiti wie "Stinkender Jude" beschmiert. Auch die Rechte in den USA hat er sich zum Feind gemacht, seit er dort mehr Schutz für Minderheiten forderte, Kampagnen gegen Polizeigewalt finanzierte und Donald Trumps Administration "eine Gefahr für die Welt" nannte. Überall halten ihn Populisten und Nationalisten für einen "globalen Drahtzieher", der Verschwörungen gegen legitime Regierungen und deren Politik anzettle.

In Großbritannien, wo der junge Soros sich 1947 nach seiner Ankunft aus Budapest zuerst ansiedelte, wo er an der London School of Economics Philosophie studierte und wo er seine Bankkarriere begann, hat man vor allem in der konservativen Partei sehr zwiespältige Gefühle. Einerseits bewunderten die Tories immer seinen Aufstieg zu einem der erfolgreichsten Kapitalisten der Welt. Anderseits haben sie ihm nicht vergessen, dass er 1992 mit einem überraschenden Verkauf enormer Summen des britischen Pfunds eine Milliarde Dollar Gewinn machte – und in London eine schwere Währungs- und Regierungskrise auslöste.

Der Tag, an dem Soros das Pfund aus dem europäischen Wechselkurs-Mechanismus zwang, ging als "Schwarzer Mittwoch" in die britische Geschichte ein. Und nun hat die britische Rechte, ganz auf einen harten Brexit eingeschworen, erneut Grund, Soros zu hassen. "Der Mann, der die Bank von England in die Knie zwang, unterstützt heimliches Komplott, um den Brexit zu vereiteln", verkündet der Daily Telegraph empört. Soros stecke hinter einer "Verschwörung zur Brexit-Sabotage", warnt die Daily Mail.

Und wiewohl Anti-EU-Presse und Brexit-Befürworter sich direkter Anspielungen auf die jüdische Abstammung des Finanziers enthielten, stieß die Wortwahl (Verschwörung, Komplott) manchen Kritikern übel auf. Die Sprache, derer sich nun auch etablierte Londoner Medien bedienten, sei besorgniserregend, meint Stephen Pollard. "Die Vorstellung, dass es ein Geheimkomplott gibt, entspricht haargenau der Linie in Ungarn und anderswo – eben weil Soros Jude ist", so der Chefredakteur des Jewish Chronicle, der wichtigsten Zeitung der jüdischen Gemeinden auf der Insel.