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28. September 2009
Ein Festtag mit geborgtem Jubel
Nur dank der Liberalen kommt die CDU richtig in Feierlaune
Der Wahlabend beginnt mit einer kalten Dusche. Voller Erwartung sind 4000 Menschen ins Konrad-Adenauer-Haus, die CDU-Zentrale, gekommen. Sie finden dort gar nicht alle Platz. Als der Sekundenzeiger auf 18 Uhr vorrückt, zählt die Menge laut einen Countdown – es ist, als ob sie kollektiv einem historischen Moment entgegenfiebert. Aber dann die Schrecksekunde: Die CDU-Zahlen lassen viele aufstöhnen. Für einen Augenblick ist das Entsetzen über die eigenen Verluste spürbar, über das schlechteste Bundestagswahlergebnis seit Jahrzehnten.
Jubel kommt erst auf, als der Einbruch der SPD erkennbar wird. Und als der Balken der FDP in der Wahlgrafik gar nicht mehr zu wachsen aufhört, hebt ohrenbetäubendes Geschrei an. "Angie, Angie", rufen die Partygäste – als hätten die Liberalen ihr fulminantes Ergebnis Angela Merkel zu verdanken. Ihre Fans müssen dann noch geraume Zeit warten, bis der Star sich zeigt. Das dauert so lange, weil die Kanzlerin erst abwarten will, ob es auch in Schleswig-Holstein zu Schwarz-Gelb reicht. Sonst stünde sie ohne Mehrheit im Bundesrat da und es würde nichts mit dem Durchregieren, von dem sie schon 2005 vergeblich geträumt hatte.
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Merkel kommt zunächst gar nicht zu Wort, als sie auf die Bühne tritt. Minutenlang skandieren ihre Anhänger: "Angie, Angie". Einen halben Schritt hinter Merkel eilt CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla dem glücklichsten Moment seiner Karriere entgegen. Die von ihm dirigierte Kampagne war nicht unumstritten. Viele Unionisten ärgerten sich, dass sie zu sehr auf Merkels Person zugeschnitten war, dass allein die Autorität und ihre Popularität als Kanzlerin im Vordergrund stand, dass sich Merkel gar zu Lasten der Union profilierte und nur wenig und vage über Inhalte gesprochen hatte.
Aber das ist jetzt vergessen, das klägliche CDU-Ergebnis ebenso. Pofalla überreicht der Parteichefin Blumen. Merkel nutzt die euphorische Stimmung, um die Deutungshoheit über die Wahl zu gewinnen und interner Kritik vorzubeugen. "Wir haben was Tolles geschafft", ruft sie. Nie zuvor sei es einer Kanzlerpartei gelungen, aus einer Großen Koalition heraus eine andere Mehrheit zu erobern. Und sie will sich nicht zur Frontfrau eines neuen Lagers abstempeln lassen. Ihr Anspruch klingt größer: "Mein Verständnis war und ist es, dass ich Bundeskanzlerin aller Deutschen sein möchte."
Um alle Befürchtungen im Keim zu ersticken, welche einem schwarz-gelben Triumph schon vor vier Jahren vorauseilten, fügt sie noch hinzu: Die Union verstehe sich als einzig verbliebene Volkspartei. Sie werde Arbeitnehmer ebenso vertreten wie Unternehmer. Damit nimmt sie dem liberalen Elan ein bisschen Wind aus den Segeln. Und der Beifall, der Merkel an diesem Abend umtost, fegt jeden Hauch von öffentlicher Kritik hinweg.
Auch von den Unionsgranden sind zunächst keine Vorwürfe, allenfalls kritische Untertöne zu vernehmen. CSU-Chef Seehofer hat eigene Sorgen. Sein Ergebnis ist miserabel. Seine Landesgruppe wird nur halb so viele Mitglieder wie die FDP-Fraktion stellen. Er hatte Merkel während des Wahlkampfs immer wieder dazwischengefunkt und signalisiert, besser zu wissen, wie eine erfolgreiche Kampagne zu führen sei. Dieses Fernduell hat er verloren. "Die CSU wird sich fragen müssen, ob sie im Wahlkampf alles richtig gemacht hat", knurrt ein CDU-Stratege.
Doch auch in der Kanzlerinnenpartei sind nicht alle beglückt. CDU-Vize Koch blickt betreten, als er Merkels Auftritt verfolgt. Sein Kollege Rüttgers sagt, die Union habe "vielleicht ein bisschen besseres Ergebnis erwartet". Und er kündigt an: "Das wird man sich anschauen müssen." Er wiederholt diese Feststellung mehrfach. Im Klartext heißt das: Merkel stehen noch Diskussionen ins Haus.
Entscheidend jedoch findet auch Rüttgers, dass es eine klare Mehrheit für Merkel gebe. Die CDU ist eine Machtpartei. Was zählt, ist, künftig mit einem Bündnis regieren zu können, das den Unionisten weniger Selbstverleugnung abverlangt als die Große Koalition. Aus Kochs Umfeld heißt es nüchtern: "Da unser Hauptziel erreicht ist, verkraftet das die Partei."
Autor: Armin Käfer



