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08. November 2013

75 Jahre Reichskristallnacht

Europas Rabbiner treffen sich in Berlin

Ausgerechnet am Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht will die Konferenz Europäischer Rabbiner (CER) erstmals ihre Mitgliederversammlung in Berlin abhalten. Mehr als 200 orthodoxe Rabbiner aus 33 Ländern werden vom 8. bis 12. November dort erwartet.

  1. Mit solchen Fensterfolien wollen Berliner Geschäftsleute an die Pogrome erinnern. Foto: AFP

Für den CER-Vorsitzenden, den Moskauer Rabbiner Pinchas Goldschmidt, ist dieser Besuch "ein Vertrauensbeweis in eine jüdischen Zukunft in Deutschland". Im Mittelpunkt der Konferenz steht ein Gedenken an die Pogrome von 1938, das in der Brunnenstraße in Berlin-Mitte stattfinden soll. Dort befindet sich seit 2009 wieder das orthodoxe Rabbinerseminar, das 1873 gegründet wurde und kurz nach dem 10. November 1938 schließen musste.

In der Hauptstadt, aber auch in vielen anderen deutschen Kommunen, werden zahlreiche Aktionen an die Pogrome erinnern. In vielen Städten werden Stolpersteine geputzt: Die in die Straßenpflaster vor früher jüdischen Wohnungen und Häusern verlegten Messingplatten erinnern mit Daten und Namen an verschleppte und ermordete Bewohner.

Vor allem Schüler sind am Abend des 10. November eingeladen, in Berlin eine multimediale Installation am Brandenburger Tor mitzuerleben. Jugendliche haben ihre Gedanken zum Thema "Zerstörte Vielfalt", das auf die Folgen der NS-Diktatur aufmerksam machen soll, in Handy-Clips und Kurzfilme umgesetzt. Ein Teil davon wird in Berlin präsentiert. Mit einer "Schaufenster-Aktion" erinnern Berliner Geschäftsleute am 9. und 10. November an die Pogrome. Sie wollen Fensterfolien in der Optik eingeschlagener Schaufenster an ihre Läden kleben.

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Fünf deutsche Historiker erinnern via Twitter täglich an die Judenverfolgung während der Novemberpogrome im Nationalsozialismus vor 75 Jahren. Unter dem Account @9Nov38 erzählen die Wissenschaftler um den Heidelberger Historiker Moritz Hoffmann von Geschehnissen vor, während und nach der Reichspogromnacht.

Weitere Informationen unter    http://www.9nov38.de

"REICHSKRISTALLNACHT"

Für die Novemberpogrome bürgerte sich rasch – offenbar aufgrund der Glasscherben der zerstörten Schaufensterscheiden jüdischer Geschäfte – der Begriff "Reichskristallnacht" ein. Die genaue Herkunft des zeitgenössischen Ausdrucks ist ungeklärt. Belegt ist er durch eine Rede des NS-Funktionärs Wilhelm Börger vom Juni 1939. Heute wird der Begriff in Deutschland meist als verharmlosend empfunden: "Reichspogromnacht" gilt heute hierzulande als politisch korrekter.  

Autor: epd/BZ

Autor: KNA/dpa