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04. August 2012

Ruf nach strenger Kontrolle

Wegen des Organspende-Skandals sinkt offenbar die Bereitschaft zur Spende / Politik alarmiert.

REGENSBURG (dpa). Der Organspende-Skandal an den Unikliniken in Göttingen und Regensburg setzt die Politik unter Handlungsdruck. Ordnungsrahmen und Regelwerk der Transplantationsmedizin in Deutschland werden immer lauter hinterfragt.

Der Patientenverband Deutsche Hospiz Stiftung forderte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zum Eingreifen auf. Dieser berief ein Krisentreffen für Ende August ein. "Die Verantwortlichen müssen mit aller Härte des Strafrechts zur Rechenschaft gezogen werden", verlangte der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, der selbst seiner Frau eine Niere gespendet hatte.

"Ich erwarte Vorschläge, wie künftig Manipulationen und andere Verstöße besser zu verhindern sind", sagte Bahr. Zu dem Termin am 27. August sind der Kassen-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die Stiftung Eurotransplant, die Deutsche Transplantationsgesellschaft, die Bundesärztekammer, die ständige Kommission Organtransplantation sowie die Überwachungs- und Prüfungskommission bei der Bundesärztekammer eingeladen.

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Die Vorgänge in Göttingen und Regensburg dämpfen die Bereitschaft zur Organspende. In fünf Fällen hätten Angehörige in Deutschland zuletzt eine Organentnahme ausdrücklich mit dem Hinweis auf diesen Skandal abgelehnt, sagte eine DSO- Sprecherin.

Derweil wird spekuliert, dass der beschuldigte Oberarzt am Klinikum Regensburg kein Einzeltäter war. Die Staatsanwaltschaft hat dafür aber keine Anhaltspunkte. Die Prüfungen stünden noch am Anfang, sagte Markus Pfaller von der Staatsanwaltschaft Regensburg. Auch nach dem Weggang des nun beschuldigten Arztes war die Zahl der Lebertransplantationen in Regensburg drastisch gestiegen. Nach Angaben des Klinikums erhöhte sich die Zahl binnen Jahresfrist um fast 50 Prozent – von 52 Transplantationen im Jahr 2008 auf 76 im Jahr 2009. Im vergangenen Jahr sank die Zahl wieder auf 63. Die Klinik erklärte dazu, der Anstieg lasse sich mit einem Ausbau des Lebertransplantationsprogramms seit 2003 erklären. Zudem könne die Zahl der transplantierten Organe auch aufgrund personeller Fluktuation sowie der Verfügbarkeit von Spenderorganen schwanken.

Für Ärztepräsident Montgomery tragen die bayerischen Behörden die Hauptschuld. Die Selbstverwaltungsgremien der Ärzte hätten den Fall in Regensburg früh aufgedeckt, aber die Behörden hätten ihn nicht verfolgt, sagte er. Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) wies dies zurück.

Die Transplantationszentrale Eurotransplant forderte ebenso wie die DSO als Konsequenz aus den Vorgängen schärfere Kontrollen.

Autor: dpa