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05. Mai 2009

Wege aus der Online-Sucht gesucht

Drei bis sieben Prozent der Internetnutzer sind süchtig / Noch gibt es zu wenige Hilfsangebote für Betroffene

  1. Sabine Bätzing Foto: DPA

BERLIN. Sie durchstreifen virtuelle Rollenspiel-Welten, tummeln sich in Foren und Chats oder konsumieren massenhaft pornografische Inhalte: Computerspiel- und Internetsüchtige verbringen bis zu 18 Stunden täglich im Netz, vernachlässigen die Schule, den Beruf und die sozialen Kontakte. Diese neue Form der Abhängigkeit wurde jetzt erstmals im Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung berücksichtigt.

"Wir werden immer mehr zu einer Generation Internet, und die Computerspiel- und Onlinesucht wird die Suchtform der Zukunft sein", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) gestern bei der Vorstellung des Jahresberichts. Verlässliche Zahlen, wie viele Menschen sich wegen problematischen Internetkonsums in Beratung und Behandlung begeben haben, liegen bislang nicht vor. Verschiedenen Studien zufolge gelten aber schon heute drei bis sieben Prozent der Internetnutzer als onlinesüchtig, ebenso viele werden als stark suchtgefährdet eingestuft. Vor allem männliche Jugendliche und junge Erwachsene sind betroffen. Ihre Symptome ähneln denen, die bei stoffgebundenen Abhängigkeiten auftreten, heißt es im Drogen- und Suchtbericht.

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Bisher sei nicht eindeutig geklärt, welche Eigenschaften oder Persönlichkeitsmerkmale den Suchtkranken charakterisieren, berichtet Klaus Wölfling. Der Psychologe leitet die bundesweit erste Versorgungsstelle für Computerspiel- und Onlinesüchtige, die im März 2008 an der Universitätsklinik in Mainz eröffnet wurde. Es sei aber auffällig, dass viele Betroffene soziale Ängste haben. "Vor allem Online-Rollenspiele haben deshalb aus unserer Sicht ein hohes Suchtpotenzial", so Wölfling: Die Betroffenen flüchten sich in eine neue Identität in einer virtuellen Welt, die sie scheinbar zu ganz neuen Verhaltensweisen befähigt.

Neben Computerspielen locken aber auch andere Angebote im Netz, die möglicherweise eine Sucht auslösen – Glücksspiele, Pornografie, aber auch viel harmlosere Inhalte: Internet-Lexika etwa können zur exzessiven Informationssuche verleiten, Einkaufsportale zu schrankenlosem Kaufverhalten, berichtet Wölfling. Und Foren, Chatrooms und soziale Netzwerke rufen mitunter einen Zwang hervor, ständig neue Beiträge zu verfassen.

Gesetze helfen gegen diese Form der Abhängigkeit nicht weiter, sagte Sabine Bätzing. Das Internet sei eine wichtige Informationsquelle und im Berufsleben nicht mehr wegzudenken. Um gegen die neue Sucht vorzugehen, setzt Bätzing deshalb auf Prävention. Staatliche Einrichtungen, besonders Schulen und Universitäten, sollen mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, fordert sie: "Wir müssen die Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen fördern, aber auch bei den Eltern, damit sie die Gefahr rechtzeitig erkennen und eingreifen können."

Darüber hinaus fordert Bätzing den Aufbau qualifizierter Beratungs- und Hilfsangebote. Klaus Wölfling etwa bietet Betroffenen die Möglichkeit, an einer ambulanten Gruppentherapie teilzunehmen. Hauptziel der Behandlung sei die Reduzierung der Online-Zeiten auf ein normales Maß.

Autor: Nicolas Scherger