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20. Oktober 2009

Zurück in die Kirche

Vor allem 40-Jährige entdecken den Glauben wieder

STUTTGART. Der Trend ist seit vielen Jahren ungebrochen: Weit mehr Protestanten verlassen die evangelische Kirche als eintreten. Und doch gibt es auch eine Bewegung gegen den Trend: Es gibt bislang mehr oder minder kirchenferne Erwachsene, die sich dem Glauben (wieder) zuwenden. 2008 standen in der Landeskirche Württemberg 15 000 Austritte 2600 Aufnahmen gegenüber. Das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung an der Universität Greifswald hat eine empirische Studie in Zusammenarbeit mit fünf evangelischen Landeskirchen abgeschlossen, die Antworten auf die Frage gibt, welche Erwachsenen wie zum Glauben finden. Gestern wurde sie im Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart im Beisein des Landesbischofs Frank Otfried July vorgestellt.

Ausgewertet wurden die Angaben von 462 sogenannten Konvertiten, also Menschen, die den christlichen Glauben für sich (wieder-)entdeckt und einen Bezug zur Evangelischen Landeskirche haben. Sie sind im Durchschnitt gut 40 Jahre alt, sind überdurchschnittlich gut ausgebildet (die Hälfte hat Abitur), zu zwei Dritteln erwerbstätig und zählen sich zu 77 Prozent zu einer innerkirchlichen Bewegung. Gemeinschafts- und andere missionarische Bewegungen machen den Rest aus. "Konversion ist in mehrfacher Hinsicht ein Phänomen der Mitte", stellten die Forscher fest. Und dieses Phänomen wird unterschiedlich erlebt. Die größte Gruppe machen mit 41 Prozent "treue Kirchenferne" aus, die den Glauben aus der Distanz entdecken. 35 Prozent waren zwar kirchennah, aber haben sich ihres Glaubens erst vergewissern müssen. Immerhin ein Viertel aller Befragten war zuvor konfessionslos. Bei einem Fünftel gehörten die Eltern keiner Konfession an. Entsprechend selten wurde zu Hause über Religion gesprochen oder der Gottesdienst besucht.

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Das Fazit der Forscher: "Konversion ist auch dann möglich, wenn die religiöse Sozialisation ausfiel, abbrach oder scheiterte." Erwachsene sind in Glaubensfragen also nicht für immer festgelegt. Auslöser für eine Hinwendung zum Glauben ist zwar in vielen Fällen eine Krise, in der durch den Glauben Unterstützung erfahren wurde. Zwei Drittel der Befragten aber gaben an, ohne tiefen Lebenseinschnitt zum Glauben gefunden zu haben. Besondere Bedeutung kommt in allen Fällen der Konversion der Kontakt zu wichtigen Personen zu: Mit 88 Prozent stehen die Pfarrer ganz oben, gefolgt von Freunden (84 Prozent) und ehrenamtlichen kirchlichen Mitarbeitern (63 Prozent).

Für Landesbischof Frank Otfried July belegt auch dieses Ergebnis, "dass es wichtig ist, dass die Kirche ein Gesicht haben muss, wenn solche Kontakte gelingen sollen." Unstrittig sei für ihn aber auch, dass "wir im Repertoire breiter werden müssen".

Autor: Bettina Wieselmann