Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
02. Januar 2010
Ein Kater am Schlagzeug
GESPRÄCHE IM ORBIT: Ro Kuijpers und "Die Kleine Hexe".
Das Stück hat noch gar nicht angefangen, das Licht ist noch an, die kleinen und großen Zuschauer nehmen erst ihre Plätze ein, da kommt die Kräuterhexe schon auf die Bühne. Setzt sich auf eine Bank am Rand und beginnt ihre singende Säge zu spielen. Was ein wenig unheimlich klingt. Und dazu das giftig grüne Kostüm – da schwanken die Kinder zwischen Neugier und Gruseln. So beginnt "Die Kleine Hexe" im Freiburger Theater.
Der die Kräuterhexe spielt, heißt Ro Kuijpers. Der 52-jährige Holländer sitzt uns jetzt im Theatercafé gegenüber. Auch nach zwei Jahrzehnten, die er in Freiburg lebt, hat er seinen Akzent nicht verloren. Und so wie seine Aussprache für deutsche Ohren weich und fröhlich klingt, genauso wirken auch sein offenes Gesicht und sein beweglicher Körper.
Jazz-Fans oder Salsa-Tänzer kennen Kuijpers als Musiker diverser Ensembles. Wenn er seine Percussions spielt, hält nichts mehr still an ihm, Hände nicht, Füße nicht, der Rest nicht. Er liebt das Trommeln und Klopfen. Und dass man es überall machen kann: Um das zu demonstrieren, benutzt er gleich den Cafétisch samt Geschirr als Instrument.
Werbung
In jungen Jahren schon ist Kuijpers mit dem legendären Jango Edwards aufgetreten, er hat in den USA gelebt und alle dortigen Tourneen des holländischen Musikclowns mitgemacht. Nach Freiburg kam er 1983 zum ersten Mal: mit der Band Los Mambos zum ersten ZMF. Im Jahr drauf, beim Auftritt auf dem zweiten ZMF, lernte er die künfitge Mutter seiner Tochter kennen. 1988 zog er nach Freiburg.
In zahlreichen Projekten ist er seither auf hiesigen Bühnen gestanden, mit der Band Sonando befeuert er Salsa-Nächte. Daneben hat er Projekte mit Kindern und Jugendlichen gemacht, oft an Schulen. Beides ging nun zusammen in dieser Spielzeit am Theater: Für das Projekt "Carmen Go Home" hat Kuijpers mit Roma-Jugendlichen Musik gemacht. Und für das Kinderstück "Die kleine Hexe" des Theaters hat er die Musik geschrieben.
Er spielt sie als Kater kostümiert auf der Bühne – und tritt selber als Hexe auf. Die Verkleidung muss Kuijpers – genauso wie die anderen auf der Bühne – öfters wechseln. Und er hat großen Respekt vor der Leistung der Ankleiderinnen hinter der Bühne: "Das geht so schnell wie der Boxenstopp bei der Formel 1". Nicht dass Kuijpers ein kompletter Theaterneuling wäre, er hat schon in den 90er-Jahren mit dem damaligen Tanztheater-Chef Pavel Mikulastik gearbeitet. Aber dass er selber ins Bühnengeschehen eingebunden ist, das ist neu für ihn.
Die "Kleine Hexe"-Regisseurin Thalia Schuster wollte aus dem Buch von Ottfried Preußler ein Stück mit Musik machen. So hat Kuijpers Lieder geschrieben: für die Titelheldin, die sich selber Mut zusprechen muss für ihre Zauberprüfung, für die Hexenversammlung, die auf dem Blocksberg tanzt, für die drei Klaubholzweiber, die sich über den bösen Förster beklagen. Einfach sollten die Lieder sein, sagt Kuijpers, aber nicht simpel. So etwas wie "Hänschen klein" finde er nämlich furchtbar. Etwas Besseres zu schreiben, ist ihm gelungen, schön charakterisieren die Lieder die Figuren.
Kuijpers und sein Mitmusiker (und Sumpfhexen-Darsteller) Simon Goldschagg begleiten live auf der Bühne mit Schlagzeug und Keyboard die Schauspieler. Von denen zwei wiederum Instrumentales beisteuern: Annette Riessner am Akkordeon und Andreas Helgi Schmid an der Klarinette. Diverse Stile nutzt Kuijpers: Balkanisches, Afrikanisches, Jazziges. Die Musik ist auch noch mehr als Liedbegleitung. Wie mit Filmmusik unterstützt Kuijpers das Geschehen.
Besonders witzig ist das in einer Art Duett mit Andreas Helgi Schmid: Wenn der den Herrn Pfefferkorn spielt, den Haushaltswaren-Verkäufer, dann wirbeln jedes Mal, wenn er ins Lager eilt um hektisch ein anderes Besenmodell für die kleine Hexe herbeizuholen, die Trommeln von Kuijpers dazu. Auch als Geräuschemacher betätigt sich der Musiker: Wenn der gemeine Förster wider Willen den Klaubholzweibern das Holz hackt, kommt das Axtgeräusch vom Trommelstock. Viele der wortlosen Witze im Stück funktionieren nur so.
Für Kuijpers ist das das Faszinierende am Theater, dass es so viele Ebenen hat. Ganz anders, sagt er, als ein Konzert: "Da hören die Leute zu und klatschen. Im Theater gibt es ganz andere Reaktionen: Lachen, Erschrecken." Eben das genießt er in der "Kleinen Hexe" schon von Anfang an, wenn er in seinem unheimlichen Kostüm aus den Kulissen kommt: "Wenn ich da um die Ecke schaue, beginnt für mich schon der Spaßfaktor", sagt er. Und wenn er dann mit großen runden Augen nachmacht, wie manche Kleinen ihn da anschauen, wird der Musiker selber zum Kind.
– "Die kleine Hexe" wird am Theater Freiburg noch bis 23. Februar gezeigt, fast alle Vorstellungen sind ausverkauft. Info: Theaterkasse Tel. 0761/ 201 2853.
Autor: Thomas Steiner
