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09. Juli 2012

Ein Strauß sommerlicher Melodien

Das Duo Sentiamo im Rathaussaal in Binzen.

Eine Sommerserenade war angekündigt. Und dieses Versprechen wurde eingelöst. Einen Blumenstrauß an heiteren Dur-Stücken für Flöte und Klavier hat das Duo Sentiamo bei seinem Konzert am Samstag im Binzener Rathaussaal präsentiert. Das Ambiente war herzerfrischend unkompliziert. Ein Buch musste herhalten, um die Öffnung des Flügels zur regulieren. Am Boden unter dem mit Transportschrammen versehenen Flügel stand einsam und verlassen ein Glas Wasser. Die musikalische Darbietung hob sich erfreulicherweise positiv von dieser Raumgestaltung ab. Mit der Flötistin Christine Braun und der in Freiburg bei Vitalij Margulis und Elza Kolodin ausgebildeten Pianistin Sabine Hub haben sich zwei Musikerinnen gefunden, die ihr Handwerk verstehen und mit viel Stilempfinden musizieren.

Die eröffnende Sonate von Franz Anton Hoffmeister gehörte in die Sparte effektvolles, aber wenig substanzielles Spielfutter. Melodisches Material aus Skalen und Akkordbrechungen, simple Harmonik – gleichsam frühklassische Meterware, an der die Interpretinnen sich einspielen und einen ersten Achtungserfolg einfahren konnten. Denn technisch gelang ihnen die Umsetzung makellos und durchaus überzeugend.

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Mehr interpretatorische Herausforderungen hatte die Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach zu bieten. Die Faktur eines Triosatzes mit zwei dialogisierenden Stimmen über einem motivisch aufgelockerten Basso continuo wussten die Musikerinnen eloquent umzusetzen, indem sie feine Dialoge inszenierten. Allerdings zeigte sich hier einmal mehr, was sich als generelle Problematik der Saalakustik durch den Abend zog: der Flügel hatte die Tendenz, den Flötenklang insbesondere in dessen tieferen Lagen zu überdecken. Nach einem herrlich empfindsam musizierten Largo schloss die Sonate des berühmtesten Bach-Sohnes mit einem brilliant musizierten Allegro, in dem das "Duo Sentiamo" durch absolut synchron dargebotenes Laufwerk und eine facettenreiche Verzierungskunst sein künstlerisches Format zeigte. Mit dem Andante in C-Dur von Mozart klang der erste Programmteil in reinstem Wohlklang aus. Christine Braun zelebrierte den Evergreen der Flötenliteratur mit warmem, glanzvollem Flötenton und Sabine Hub legte mit viel Einfühlungsvermögen einen samtweichen Klangteppich unter die Flötentöne.

Die musikalische Substanz spricht für sich

Nach der Pause dann Vater Bach. Dessen viel gespielte Es-Dur-Sonate (BWV 1031) mit ihren nicht geringen instrumentalen Anforderungen interpretierten die Musikerinnen mustergültig. Ohne vordergründige Effekthascherei ließen sie die polyphone Struktur aufleuchten und die musikalische Substanz für sich sprechen. Dabei hatte das von Christine Braun auf ruhigem Atem wundervoll entschleunigt musizierte Siciliano einen ganz eigenen Zauber.

Hochromantisch ging das Programm in die Zielgerade mit einer Sonate des kaum bekannten Camillo Schumann (1872-1946). Hier konnte die Pianistin endlich zeigen, welche Fingerfertigkeit und Ausdrucksmöglichkeiten ihr zu Gebote stehen. Mit Bravour manövrierte sie durch die Partitur und feuerte so die Flötistin zu expressiven Höhenflügen an. Ein farbenreiches Werk, das die Fantasie des Hörenden anregt und stimuliert. Mit einem elegischen Präludium und einem agogisch delikat ausgespielten Tango von Isaac Albeniz bekam das Programm eine Zugabe und der Strauß sommerlicher Musiken eine letzte, südamerikanisch-exotische Blüte.

– Am Freitag, 13. Juli, 19 Uhr, gibt das Duo Sentiamo ein Bibliothekskonzert auf Schloss Bürgeln.

Autor: Matthias Weber