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17. November 2009

Eine Psalmvertonung wie ein Sonnenaufgang

Die Kantorei Lörrach, begleitet vom Ensemble "musica poetica freiburg" in der Christuskirche Lörrach.

  1. Almut Teichert-Hailperin war die Solistin der Psalmvertonung Mendelssohns beim Konzert der Kantorei Lörrach unter Leitung von Herbert Deininger Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

Der Musikalische Herbst, der sich in diesem Jahr Bach und Mendelssohn zum Thema genommen hatte, klang am Sonntag mit einem eindrücklichen Chor- und Orchesterkonzert in der Christuskirche Lörrach aus. Die Kantorei Lörrach, begleitet vom Ensemble "musica poetica freiburg" spielte unter Leitung von Bezirkskantor Herbert Deininger die Kantate für Soli, Chor und Orchester BWV 131 "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir" von Bach sowie den Psalm 42 für Sopran, Chor und Orchester "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser" op. 42 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die Solisten waren Almut Teichert-Hailperin, Sopran, Karl-Heinz Brandt, Tenor und Eckard Otto, Bass. Organistin Birgit Tittel interpretierte von Bach Präludium und Fuge h-moll BWV 544 und "Vater unser, im Himmelreich", BWV 682, sowie Präludium und Fuge G-Dur op. 37/2 von Mendelssohn.

Das kurze, prägnante, Struktur verleihende Schreiten im Pedal, über dem die Manuale frei das quirlige Spiel ihrer Läufe zu entfalten und fortzuspinnen vermögen, zeichnete das erste Bachsche Orgelstück aus. Das zweite bezog seine ganz eigene Wirkung aus dem vorstechenden Lombardischen Rhythmus, der die Punktierung auf die unbetonte Taktzeit legt, und den chromatischen Gängen im Bass. Mendelssohns Orgelpräludium wirkte dagegen wie ein frühlingszarter Gesang. Den Beginn der Fuge konzipierte auch Mendelssohn – und mit ihm die virtuose Birgit Tittel – mit markantem Pedaleinsatz ganz barockmeisterlich und ließ erst in der weiteren Verarbeitung seine romantischen Klangfarben spielen.

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Sehr schön arbeitete Herbert Deininger in der Bachkantate den Gegensatz zwischen der Statik homophoner Klangwirkung und den figurativen polyphonen Stimmverläufen heraus, etwa in der unverrückbar getroffenen Feststellung des Chores "Ich harre des Herrn", der das Wechselspiel des – sozusagen die Omnipräsenz des Harrens vergegenwärtigende – "meine Seele harret" der einzelnen Stimmen folgte, um sich in dem Glaubenssatz "und ich hoffe auf sein Wort" wiederum zu sammeln. Sehr eindrücklich wurde diese Zweiheit durch die reich verzierte Melodielinie der beiden klangvollen Soli von Bass und Tenor im Kontrast zur gleichzeitig erklingenden bedächtig fortschreitenden, von wenigen Frauenstimmen vorgetragenen Choralweise.

Mendelssohns Psalmvertonung begann in dem ausgezeichnet agierenden Orchester wie ein Sonnenaufgang, in den der Chor mit ungeheurer Öffnung einstimmte. Reinste Anmut gelang auch in der darauffolgenden Arie des Solosoprans im Zwiegespräch mit der Oboe. Dramatisches Flehen charakterisierte im Folgenden die solistischen Einsätze der Sopranistin, durch die ruhige Gelassenheit des Männerchores ins Sehnsuchtsvoll-Lyrische abgemildert. Wie eine eindringliche Fanfare erklang der Chor bei seinem ersten Appell "Harre auf Gott!", um sich im Schlusschor auf den gleichen Text mit triumphalem Paukenwirbel und vollem Orchesterklang zur Heilsgewissheit und der Verkündigung ewiger Lobpreisung Gottes zu steigern.

Autor: Karin Steinebrunner