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26. Juni 2012

KRITIK IN KÜRZE: surplus – gero

Klangräumlichkeit versah das Ensemble Surplus jetzt in seinem Konzert im Freiburger E-Werk gleichsam mit einem Ausrufezeichen: Zwei von drei zu hörenden Werken verzichteten auf die herkömmliche frontale Aufstellung zugunsten ausgefallenerer Anordnungen. In John Cages "Variations II" – zugleich eine Erinnerung an den diesjährigen hundertsten Geburtstag dieses großen amerikanischen Ahnen der Neuen Musik – positionieren sich die sechs Musiker im weiten Kreis um das Publikum herum. Das Violinduett "Hay que caminar soñando" von Luigi Nono wird wortwörtlich im Laufen durch das Publikum, an ihm vorbei, auf einer Empore über ihm gespielt. Die Klangbildung des Ensembles ist dicht und expressiv, zugleich offen, Raum lassend; vor allem von Cages Werk gilt das, wo etwa in der Mitte eine lange Pause eintritt. Klänge und Nuancen gehen ineinander über, auch von Instrumenten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, wie etwa Geige und Schlagzeug. In Nonos Stück demonstrieren Stefan Häussler und Thomas Avery (Violine) die Klangmöglichkeiten der Instrumente vor allem im Hauchenden, brüchig Säuselnden der wiederkehrenden, lang ausgehaltenen Dissonanzen. Mariano Etkins "Lamento por James Avery" für zwei Violinen, Cello und Kontrabass ist kurz und konzentriert. Extreme Tonhöhengegensätze, im Ansatz erstarrende Gesten, abwärtsgerichtete Glissandi erzeugen Empfindungen von Starre und Sprachlosigkeit.

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Autor: Gero Schreier