Musik, die glücklich macht

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

Do, 08. Januar 2015

Klassik

Freiburg: Hallenser Weihnacht mit dem Sheppard-Ensemble.

Die Mitglieder des Freiburger John-Sheppard-Ensembles stehen sich im Altarraum gegenüber, Holz- und Blechbläser sind in einem Halbkreis positioniert. Von der hinteren Empore erklingen mit Sonja Bühler und Anja Bittner neben der großen Orgel (Lukas Grimm) zwei kristalline Soprane, die von einem Streicherensemble begleitet werden. Mitten im Zentrum dieser "Hallenser Weihnacht" steht Dirigent Bernhard Schmidt in der Freiburger Christuskirche und hält die Fäden zusammen. Samuel Scheidts geistliches Konzert "Angelus ad pastores ait" (Und der Engel sprach zu den Hirten) ist ein Fest für die Sinne – mit tänzerischen, durchsichtigen Melodielinien. Mit reizvollen Klangfarbenwechseln und spannenden Dialogen zwischen Vokal- und Instrumentalchören. Groß besetzte Renaissance-Musik gibt es in Freiburg selten zu hören. Das Konzert des John-Sheppard-Ensembles ist ein Glücksfall. Bei etlichen Chorsätzen wird ein rund 100-köpfiger Mitsingchor samt Kinderchor (Einstudierung: Inga Fischer) stimmig eingebunden. Das Publikum wird zur aktiven Gemeinde, wenn es bei Michael Praetorius’ kunstvollen Kirchenliedbearbeitungen "Vom Himmel hoch, da komm ich her" und "Ein Kind geborn zu Betlehem" einige Strophen mitsingen darf. Die eher trockene Akustik der Christuskirche lässt die virtuosen Imitationen der mehrchörigen Musik nicht im Nachhall verschwimmen, sondern lässt sie wunderbar durchsichtig.

Zwischen jedem Werk ändern die Choristen, Instrumentalisten und Vokalsolisten ihre Position. Das gesamte Kirchenschiff wird zum Klangraum. Aber auch innerhalb der einzelnen Kompositionen ist die klangliche Vielfalt enorm. Da trifft die trötende Schalmei auf einen weichen Posaunenchor. Pommer, Dulzian und Zink, typische Holzblasinstrumente der Renaissance-Zeit, treten in Dialog mit Violinen und Gamben. Jede Vokalstimme hat ihren instrumentalen Begleiter. Bernhard Schmidt arbeitet die Kontraste heraus, lässt aber auch eine Fülle von Nuancen entstehen. In jeder Strophe werden die Farben neu gemischt. Wenn das erstklassige, 34-köpfige John-Sheppard-Ensemble beim doppelchörigen "Duo Seraphim" von Samuel Scheidt Töne zu Lichtstrahlen formt und den Schlussakkord zum Schweben bringt, dann werden Maßstäbe gesetzt. Auch bei den Solisten (Tobias Knaus, Countertenor; Timo Schabel, Tenor; Karsten Müller, Bass) ist diese schlackenlose, vibratoarme Klangerzeugung zu genießen. Nichts wird zu dick aufgetragen. Reinheit und Transparenz überall! Am Ende kommt mit Georg Friedrich Händel noch der berühmteste Komponist aus Halle zu Wort. Sein "Tochter Zion" erklingt strahlend von allen Emporen. Man ist ganz umgeben von Musik – und einfach glücklich.