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15. Juli 2010

Acht Takte Ohnmacht, acht Takte Zombies

Inspiration, Vernetzung, Austausch auf Augenhöhe: Die Schultheatertage von Theater Freiburg und Theater im Marienbad.

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Erste Freiburger Schultheatertage, Werkraum des Theaters Freiburg. Trotz Hitze ist die Stimmung blendend: Mit viel Neugierde und auch Schlafsäcken sind die rund 120 Schülerinnen und Schüler diverser Schultypen aus Freiburg sowie den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald angereist. Sie haben schulfrei, dafür werden sie jetzt eine Woche lang ihre Produktionen präsentieren, diskutieren, Workshops besuchen und viel Zeit gemeinsam verbringen. Das Besondere: Alle sind aktiv bei einer Theater-AG oder einem Unterrichtsprojekt und wurden von einer Theatermacher- und Schülerjury eingeladen. Das Ziel dieses Pilotprojekts vom Theater Freiburg, Theater im Marienbad, Pakt e. V. (Bündnis freier Theater in Freiburg) und dem Regierungspräsidium Freiburg ist die Stärkung und Vernetzung der Schultheaterszene. So versteht sich das Konzept nach 19 Jahren Schultheater-Werkstatt als Werkschau, Forum und qualifiziertes Fortbildungsangebot gleichermaßen.

Damit man sich erlebt, geht es nach einer Begrüßung durch Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach und der Schulband "Crazy Age" los: Auf dem Boden stehen Requisitenkartons, jede der sieben Gruppen hat einen fünfminütigen Appetitmacher zu ihrem Stück zusammengestellt. Dabei sind die Produktionen so unterschiedlich wie die Ensembles. Da gibt es Eigenproduktionen, Klassiker wie Shakespeares "Was ihr wollt" oder Typentheater wie Helmut Kraussers "Haltestelle. Geister". Während eine Mittelstufenschülerin einen Hamlet-Text auf einem fiktiven Schulklo rappt, tuscheln Jungs in der letzten Reihe: "Mann, die sind viel besser wie wir !", raunt der eine. – "Awa! Sind die nicht. . . ", beruhigt sein Nachbar.

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Schwer beeindruckt sind die jungen Theaterspezialisten zwei Stunden später im ausverkauften Kleinen Haus des Theaters Freiburg: Dort zeigt die Theater-AG der Freiburger Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule die Premiere von "Showdown in Müllen", frei nach Dürrenmatts "Besuch der Alten Dame". Gigantisch sind Bühne und Zuschauerraum im Vergleich zum eigenen Schulfoyer, doch statt einzuschüchtern, motiviert der Ort zu Höchstleistungen: So originell, kraftvoll und mitreißend entwickelt sich die Story zwischen Pappwänden und Schiedsrichterturm, dass auch das Publikum begeistert scheint. Hatte Dürrenmatts Klassiker nach Meinung vieler Jugendlicher bis dahin einen ziemlichen Bart, kommt seine Kapitalismuskritik und Moralsuche hier mit punkiger Irokesenfrisur daher.

Engagiert steht das Ensemble dann beim moderierten Auswertungsgespräch im Werkraum Rede und Antwort. Das Interesse ist groß, schließlich kennt man als Mitglied einer Theater-AG kaum Gruppen anderer Schulen. Ohne Maske und Requisite sitzen die Spieler auf der Bühne und erzählen: wie viel Zeit es erforderte, Rollenbiografien, neue Figuren und einen eigenen Schluss zu entwickeln, wie kompliziert das Chorsprechen einzuüben war, wo Musik und Sarg herkamen. Vor allem aber gibt es Fragen nach dem Inhalt: "Wie wichtig ist euch das Politische?", will jemand wissen. "Sehr wichtig!" antwortet ein Spieler, "Nur Unterhaltung darf’s nicht sein – Theater ist nicht Fernsehen. . . ". Weil "Der Besuch der alten Dame" als Abi-Sternchenthema auch auf dem nächsten Spielplan des Theaters Freiburg steht, berichten ein Schauspieler und Regieassistent von ihrem Ansatz und laden die Gruppe zur Probe ein. Inspiration, Vernetzung, Austausch auf Augenhöhe: All das findet hier statt.

Ausgesprochen schweißtreibend begegnet man sich am nächsten Morgen barfuss beim täglichen Warm-Up. "Acht Takte lang fallt ihr dramatisch in Ohnmacht, dann seid ihr acht Takte lang Zombies" – kommt die Anweisung, nachdem die muntere Meute sich gegenseitig massiert und ausgeschüttelt hat. Aufgekratzt verteilt man sich nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa in Straßentheater-, Slapstick- oder Poetry Slam-Workshops. Keine Frage: eine pralle und aufregende Woche!
– Öffentliche Aufführungen am Donnerstag: "Be happy – wer verzweifelt, kommt weg", um 14 Uhr im Theater im Marienbad. "Ein Zustand?" nach Albert Camus, um 18 Uhr im Theater Freiburg, Kl. Haus. Freitag: "Shockheaded Peter", um 14 Uhr im Theater Freiburg, Kleines Haus. "Kloriositäten – Ein Stück Hamlet" um 18 Uhr im Theater im Marienbad.

Autor: Marion Klötzer