Unheimlicher Klangteppich

Nikola Mirkovic

Von Nikola Mirkovic

Mo, 19. Mai 2014

Klassik

Das John-Sheppard-Ensemble mit Shakespeare-Programm.

Die Dichtung Shakespeares hat Generationen von Komponisten immer wieder zu neuen Werken inspiriert. Beim Konzert des John-Sheppard-Ensembles in der Freiburger Christuskirche stand eine jüngere Generation aus Skandinavien im Mittelpunkt. Den Anfang des dramaturgisch schlüssigen Programms bildete die Vertonung des Sonetts Nr. 76 von Alfred Janson, der insbesondere für die Selbstzweifel des Dichters –"Was ist arm an Neuheit mein Gedicht..." – eine eindrucksvolle musikalische Form findet. Es wird geflüstert und gezischt, über einem unheimlichen Klangteppich liegt ein karges Bass-Solo.

Das Sheppard-Ensemble setzte das unter der kundigen Leitung von Bernhard Schmidt stimmig um. Bei Sven-Eric Johannsons "Fancies" wurde der Chor von Sven Kiefer und Sakiko Idei als Duo am Marimbaphon verstärkt. Die Zusammenarbeit funktionierte gut. Die Dissonanzen von "Under the Greenwood Tree" wurden genüsslich ausgekostet, "O Mistress Mine" lud geradezu zum Schwofen ein, "Lovers Love the Spring" klang prachtvoll, und beim "Winter", zu einem Text aus "Verlorene Liebesmüh’", überraschte das Ensemble mit einem präzise abgestimmten Quäken und vor Ekel gekräuselten Lippen.

Dass das Publikum dem inhaltlichen Geschehen der Textvorlagen gut folgen konnte, war Ullo von Peinen zu verdanken, der die deutschen Übersetzungen einfühlsam vortrug. Zudem steuerten die beiden Marimbaphonisten zwei Solostücke bei. Kiefer interpretierte "Caritas" von Michael Burritt, Idei den "November Evening" von Christopher Norton. Beide begeisterten durch ihre Virtuosität und durch einen subtil gestalteten Anschlag. Das hohe Niveau der Sängerinnen und Sänger wiederum zeigte sich nicht zuletzt bei den bekannten Shakespeare-Vertonungen von Ralph Vaughan Williams. So entwickelt das Ensemble etwa bei "Come Away, Death" einen wunderbar weichen und warmen Klang. Die Intonation war sauber, und auch die Soli überzeugten. Mit Sven Hagvils melancholischem Sonett Nr. 43 fand das Konzert einen gelungen Abschluss.