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12. Juni 2010

Wenn de Babbe in de Schlabbe in de Rappe dabbe duut

Ein neuer alemannischer Mundartwettbewerb hat nach schlummernden Talenten gefahndet – und ist reich fündig geworden.

  1. Frank Huttelmeier Foto: Rita Eggstein

  2. Karl-Heinz Debacher Foto: Eggstein

Dass Mundart und Moderne miteinander fremdeln, ist ein Klischee, das hier schon im Zuge der jüngsten Johann-Peter-Hebel-Festlichkeiten energisch widerlegt worden ist. Versuche, Dialekt und Zeitgeist gegeneinander auszuspielen und ersterem die staubige, reaktionäre Ecke zuzuweisen, geben sich salonfähig, scheitern aber immer wieder an der Wirklichkeit. Erneut hat das der alemannische Mundartwettbewerb belegt, den die Muettersproch-Gsellschaft, das Studio Freiburg des Südwestrundfunks und die Badische Zeitung zu Jahresbeginn ausriefen und dessen Gewinner nun feststehen.

Von Heimattümelei und Nostalgie nicht die Spur, wenigstens nicht in den sieben von der Jury prämierten Arbeiten, je dreien aus den Sparten Lyrik und Prosa sowie einem Sonderpreis – sondern durchweg moderne Literatur. In Prosa-Beiträgen finden sich Reportageelemente, und bei der Lyrik nehmen einige der Werke es in ihrem alemannischen Drive mit zeitgenössischem Rap auf Englisch oder Hochdeutsch allemal auf.

Die Jury – der Altpräsident der Muettersproch-Gsellschaft, Klaus Poppen, sein Nachfolger Franz-Josef Winterhalter, die Sprachwissenschaftlerin Friedel Scheer-Nahor, die Mundartdichterin Inge Trenz und die Redakteure Regina Keller (SWR) und Wulf Rüskamp (BZ) – hat sich durch 240 Einsendungen gearbeitet ("S isch e riesen Gschäft gsi", so ein Seufzer). Originalität, Sprachmelodie, das Vermeiden von Floskeln und das Aufspüren überraschender Sprachbilder waren ihre Kriterien. "S menschelet", hieß das Thema mit seiner nur vermeintlichen Allerweltsbandbreite. Ein sentimentaler Blick auf den Sonnenuntergang hinter den Vogesen, stellte Juror Poppen klar, genügt da als literarische Idee noch lange nicht.

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Zum Prosa-Sieger erkoren die Schiedsrichter den Freiburger Frank Huttelmeier, der eine Wirtshaustischdebatte zu Papier gebracht hat. Ihr verblüffend aktuelles Thema: Soll das Land die Schweizer Steuer-CD kaufen und wie steht es eigentlich um unsere eigene Steuermoral? Den ersten Preis der Lyriker errang Karl-Heinz Debacher aus Rust mit einem faszinierenden Neunzeiler über Gefühlsschwankungen eines einzigen Vormittags.

Auf den folgenden Plätzen bei der Prosa: eine skurrile Wochenmarktsatire von Doris Leyser aus Denzlingen und ein fesselndes Krankenzimmerdrama von Ulrike Derndinger aus Lahr, BZ-Redakteurin und Siegerin des ersten Mundartwettbewerbs 2004. In der Lyrik platzierten sich Ludwig Hillenbrand aus Lahr mit einer geradezu jandlesken Wortakrobatik rund um den Begriff Sellerie und Ralf Bernauer aus Donaueschingen mit einer Sperrmüll-Elegie, die bei der öffentlichen Feierstunde am Donnerstagabend im Schlossbergsaal des SWR-Studios Heiterkeitsschübe auslöste. Einen Lyrik-Sonderpreis vergab die Jury an Martin Cordes-Schmid für einen vom Leibgericht Kutteln inspirierten Ritt durch die alemannische Wortwelt.

"Wenn de Babbe in de Schlabbe in de Rappe dabbe duut", mit diesem MundartBoogie und anderen Songs umrahmten Gerd Birsner und Eugen Schmitz musikalisch das Programm.

Die Badische Zeitung dokumentiert die
erfolgreichen Wettbewerbsbeiträge auszugsweise im Magazin am 19. Juni.

Autor: Stefan Hupka