Eisiges, aber oft verbotenes Vergnügen

Michael Saurer und dpa

Von Michael Saurer & dpa

Fr, 07. Dezember 2018

Panorama

In einer US-Kleinstadt wurde ein Gesetz gekippt, das Schneeballschlachten verbietet / Auf hiesigen Schulhöfen gibt es das aber oft noch.

WASHINGTON/FREIBURG. Der Winter macht Kindern viel Spaß – besonders wenn der erste Schnee gefallen ist. Dann werden Schneemänner gebaut und auch die eine oder andere Schneeballschlacht ausgetragen. Doch das ist nicht überall erlaubt. In der Gemeinde Severance im US-Bundesstaat Colorado etwa war es bislang verboten. Jedenfalls bis zum Antrag des Drittklässlers Dane Best im dortigen Gemeinderat. Doch selbst auf den Schulhöfen in Baden-Württemberg muss man aufpassen, ob der eisige Spaß genehmigt ist.

Seinen ganzen Mut nahm der neunjährige Dane zusammen, als er seinen Antrag im Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Severance einbrachte. "Jeder in Severance sollte in der Lage sein, eine Schneeballschlacht zu haben, wie überall auf der Welt", so seine Argumentation. Offenbar verfing seine Einlassung, denn der Gemeinderat kippte das Verbot einstimmig, wie Gemeindesprecher Kyle Rietkerk am Mittwochabend bestätigt.

Rietkerk sagte, bei einem Schulausflug zum Bürgermeister sei den Schülern auch von dem antiquierten Verbot erzählt worden, Schneebälle zu werfen. Ihnen sei außerdem gesagt worden, dass sie auch als Kinder eine Stimme hätten. Bürgermeister Don McLeod sagte dem Sender CNN: "Die Kinder waren total verblüfft, als sie herausfanden, dass sie die ganze Zeit gegen das Gesetz verstoßen haben." Jedes Jahr ermutige er Kinder bei ihrem Besuch, vorhandene Regelungen zu ändern. "Dane war der erste Schüler, der mich beim Wort genommen hat, und ich bin sehr stolz, dass er das getan hat."

Was der Ursprung des Verbots gewesen sei, sei unklar, sagte Rietkerk. "Wir haben wirklich keine Ahnung." Bekannt sei, dass es seine Wurzeln in einer Regelung aus dem Jahr 1921 habe, wonach keine Wurfgeschosse geworfen werden dürften. Rietkerk sagte, es sei nicht überliefert, dass Schneeballwürfe jemals tatsächlich geahndet worden seien. In Severance – eine Gemeinde, in der eigenen Angaben zufolge geschätzte "4300 freundliche Menschen" leben – habe es früher mehrere sonderbare Verbote gegeben. So seien der Besitz oder Betrieb von Billardtischen, Dartboards oder Bowlingbahnen im Jahr 1921 nur gegen eine Gebühr von 1000 Dollar erlaubt gewesen – damals horrend viel Geld. Nach der Ratsentscheidung postete die Gemeinde am vergangenen Montag auf ihrer Facebookseite: "Schneeballschlachten sind jetzt legal in Severance! Glückwunsch, Dane!"

Was hierzulande eher für Belustigung sorgt, ist auf den Schulhöfen Baden-Württembergs aber tatsächlich oft ein Vorgang, der laut Schulordnung verboten ist. Wie Matthias Henrich, Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg auf BZ-Anfrage berichtet, sei auf den meisten Schulhöfen das Werfen von Schneebällen tatsächlich nicht erlaubt. Dies leitet sich von Paragraph 23, Absatz zwei des Schulgesetzes ab. Dieser gibt den Schulen die Möglichkeit, zum Zwecke der "präventiven Gefahrenabwehr" spezielle Schulordnungen zu erlassen, in der explizite Verbote aufgenommen sind – wie eben das Werfen von Schneebällen.

"Wenn da Steine im Schneeball sind, kann das schnell gefährlich werden", betont Heinrich und verweist auf frühere Fälle, in denen es tatsächlich zu Verletzungen gekommen sei. Inwieweit dies dann auch umgesetzt wird, hängt von den Schulen ab.