Mit 20 hat man noch Träume

Pascal Cames

Von Pascal Cames

So, 30. Dezember 2018

Straßburg

Der Sonntag Ausflugstipp: Das Straßburger Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst zeigt Pop-Art von Joana Vasconcelos.

Entdecken, staunen, freuen: Das Straßburger Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst (MAMC) feiert mit Ausstellungen und Aktionen außer der Reihe seinen Zwanzigsten. Eines dieser "Happy 20"-Specials ist bunt und groß und bringt den Alltag in die heiligen Hallen. Die Ausstellung "I Want to Break Free" ist ein Warm up für die eigene Fantasie und eine Steilvorlage, um den Blick auf das Leben zu schärfen.

Verantwortlich dafür ist Joana Vasconcelos. Die 1971 in Paris geborene Portugiesin war die erste Frau, die im Schloss von Versailles ausstellen durfte. Sie ist ein Kind ihrer Zeit, ein Kunstwerk heißt "Purple Rain", in einer Glasvitrine sind Musikkassetten gestapelt und den Ausstellungstitel hat sie von Rockgruppe Queen entlehnt, die durch den Film "Bohemian Rhapsody" zurzeit wieder angesagt ist.

Alles retro oder was? Die Inspirationen dafür stammen aus dem Leben: Träume und Wünsche, Alltag und Klischees, aber auch die Materialien selbst sind eine Quelle der Inspiration. Mit einem gigantischen Stöckelschuh (Betty Boop, 2010) beginnt das Abenteuer Kunst. Wird hier etwas aufs Podest gehoben oder an den Pranger gestellt? Geht’s um Sexappeal à la Hollywood oder die Ausbeutung der Frau? Oder beides? Wie so oft lohnt der zweite Blick: Der chromblitzende High Heel ist aus Kochtöpfen und Deckeln zusammen gesetzt. Gleicher Raum, gleicher Kontext: Fies eingeschnürte Schaufensterpuppen ringen oder tanzen miteinander. Dafür hat die Künstlerin den spanischen Titel "Esposa" gewählt, der Ehefrau, aber auch Handfesseln bedeutet.

Bei anderen Installationen spielt die Künstlerin mit Krawatten, die von einem Föhn immer wieder in die Luft geblasen werden und umgarnt, nein umhäkelt, Alltagsgegenstände mit Strickereien. Eine Couch wird mit roten und gelben Rosen aufgehübscht, ein Straßenkreuzer mit Spielzeuggewehren und Lämpchen getunt. Dann gibt es noch eine Lichtinstallation, zu der Frank Sinatras "Stranger in the Night" ertönt. Hier ist definitiv was los und es gibt viel Futter für Instagram. "I Want to Break Free" ist eine dieser kurzweiligen Ausstellungen, bei denen der Kunstsinnige genauso auf seine Kosten kommt, wie alle anderen, die bei Popsongs, nicht auf den Text hören, aber ein Ohr für Rhythmus, Melodie und eine sexy Stimme haben.

Aus Anlass des "Happy 20" wurde zudem die Dauerausstellung neu gehängt. Dieser Remix läuft unter dem Namen "Joyeuses frictions" ("Glückliche Reibungen") versucht luftig und wuchtig dem Betrachter die manchmal rätselhafte zeitgenössische Kunst schmackhaft zu machen. Vom zweiten Stock gibt es einen weiteren Blick auf Joana Vasconcelos, die im Gang eine gigantische Walküre aufgehängt hat. Noch größer sind die Graffiti des New Yorker Künstlerduos FAILE, das mit der Bilderreihe "From the Air We Share" Straßburger Geschichten erzählt. Pascal Cames
Joana Vasconcelos: "I Want to Break Free" im Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst (MAMC), 1, Place Hans-Jean-Arp, Straßburg. Bis 17. Februar Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr. Eintritt 7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Unter 18 Jahre frei sowie für alle, die bis Mai 20 Jahre alt sind.