Südbaden

Polizei vermutet professionelle Banden hinter zunehmenden Einbruchsfällen

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 30. Dezember 2018 um 21:41 Uhr

Südwest

Der Sonntag Gegen den Bundestrend haben die Einbruchszahlen in Südbaden dieses Jahr zugenommen. Für die spürbare Steigerung der Fallzahlen macht die Polizei "reisende Banden" verantwortlich, die "sehr viele Taten in sehr kurzen Zeiträumen verüben" – und nach wie vor werden nur wenige Täter gefasst.

In der ersten Dezemberwoche konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich Einbrecher in Freiburg und den angrenzenden Kommunen nach Belieben bedienen.

Am Montag schlagen sie im Stadtteil Betzenhausen und in Gundelfingen zu, am Dienstag in St. Georgen, am Mittwoch im Mooswald, am Donnerstag im Stühlinger und in Landwasser. Am Wochenende geht es dann erst richtig los: Die Polizei zählt im Stadtgebiet zehn weitere Einbrüche.

"Gekippte Fenster sind für Einbrecher wie offene Fenster." Polizeisprecher Özkan Cira

Die Meldungen der Polizei lesen sich dabei alle ähnlich: Entweder hebeln die Unbekannten eine Terrassentür oder ein Fenster auf, dringen in die Wohnung ein, durchwühlen Schubladen und Schränke und nehmen Schmuck, Bargeld und Elektrogeräte mit. Personenbeschreibungen gibt es meist keine: Einbrecher wollen unentdeckt bleiben und meiden die Begegnung mit den Bewohnern. "Je länger der Einbruch dauert, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter von seinem Vorhaben ablässt", sagt Polizeisprecher Özkan Cira und fügt hinzu: "Gekippte Fenster sind für Einbrecher wie offene Fenster."

Das Risiko, von der Polizei geschnappt zu werden, bleibt überschaubar. In den vergangenen fünf Jahren pendelte die Aufklärungsquote in Südbaden zwischen 11 und 14 Prozent. Nur 2015 war sie höher. Da konnte jede fünfte Tat aufgeklärt werden.

2015 war bundesweit auch das Jahr mit den meisten Einbrüchen. 167 136 Fälle registrierte die Polizei damals. Südbaden hatte mit 1 647 Einbrüchen den Gipfel schon im Jahr zuvor erreicht. Seitdem geht die Polizei systematischer gegen die Verbrecher vor. Sie bündelt Kräfte dort, wo die Einbruchszahlen ansteigen, zeigt mehr Präsenz und erhöht die Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen. Seitdem waren die Zahlen nie wieder so hoch wie 2014. Doch aller Voraussicht nach sind sie in diesem Jahr wieder angestiegen.

Eine ansteigende Zahl von Einbrüchen lässt sich gebietsweise bereits erkennen

Wie stark, das weiß man erst, wenn die Fälle für die Kriminalstatistik im März ausgewertet sind. Muster aber lassen sich jetzt schon erkennen. Die Polizei registrierte in der zweiten Septemberhälfte einen spürbaren Anstieg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, im Oktober stiegen dann die Zahlen im Landkreis Emmendingen – und in der ersten Dezemberhälfte traf es Freiburg.

Die Polizei vermutet dahinter professionelle Banden, die aus dem Ausland – also dem Elsass und der Schweiz – agieren. Durch die intensive Fahndung konnte die Polizei in den zurückliegenden Wochen zehn Tatverdächtige auf deutschem Boden festnehmen. Den französischen Kollegen gingen neun Tatverdächtige ins Netz, die ebenfalls in Südbaden aktiv waren.

Darunter befanden sich unter anderem Albaner. Eine Rolle bei der erfolgreichen Fahndung dürfte auch der regelmäßig eingesetzte Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera spielen. "Der kann ein Fahrzeug quasi unbemerkt verfolgen und die Fahndungskräfte an die gesuchten Personen heranführen", so Cira.

Die Lage hat sich gegen Jahresende beruhigt – außer in Freiburg

Die Festnahmen führten in der zweiten Novemberhälfte zu einem spürbaren Rückgang der Einbrüche zwischen Waldshut und Emmendingen, erklärt Polizeisprecher Cira. "Die Beruhigung der Lage hält bis heute an." Mit Ausnahme von Freiburg. Hier vermutet die Polizei "mehrere Gruppen, die sich weitgehend unentdeckt im Raum bewegen". Die Polizei spricht von ortskundigen und gewerbsmäßig organisierten Verbrechern. Der hohe Anteil an professionellen Banden könnte der Grund dafür sein, dass die Aufklärungsquote beim Polizeipräsidium Freiburg in den vergangenen beiden Jahren deutlich unter dem Bundesdurchschnitt lag.

Teil des Konzepts des Polizeipräsidiums Freiburg ist es, die Bevölkerung stärker einzubeziehen. Zahlreiche Kommunen haben inzwischen Warnplakate aufgehängt, um die Bevölkerung zu sensibilisieren und sie zu ermuntern, auffällige Beobachtungen der Polizei mitzuteilen, etwa wenn von Unbekannten eine Wohnung ausgespäht wird. In Gegenden mit vermehrten Einbrüchen versucht die Polizei mit Fahndungsflyern Zeugen zu finden.

Ein Kraftakt des Polizeipräsidiums sind zudem die kostenlosen Beratungen in Wohnungen und Häusern, um die Bürger auf Schwachstellen hinzuweisen. 2018 kam die Polizei in Südbaden auf rund 2 000 solcher Beratungen. Termine können auch weiterhin unter Telefon 07 61 / 2 96 08 - 25 vereinbart werden. Der Wartezeit beträgt vier bis sechs Wochen.



Rückblick (Oktober 2018):
Laut Polizei derzeit mehr Einbrüche in Südbaden als üblich