Später in den Ruhestand

dpa

Von dpa

Di, 13. Februar 2018

Südwest

Viele Beamte, allen voran Polizisten, arbeiten freiwillig länger / Personalnotstand bei der Polizei.

STUTTGART (dpa). Immer mehr Landesbeamte arbeiten freiwillig länger und gehen somit später in Pension. Im vergangenen Jahr waren es 1298 Personen, wie eine Sprecherin des Finanzministeriums in Stuttgart mitteilte. Allein im Bereich des Innenministeriums schoben 568 Männer und Frauen die Altersgrenze hinaus, zumeist Polizisten. An zweiter Stelle folgte das Kultusministerium mit 376 und dann das Wissenschaftsministerium inklusive der Universitäten mit 170 Personen.

An die Pension denkt Joachim Stark noch nicht so richtig. "Ich bin skeptisch, ob ich dafür schon bereit bin", sagt der 61 Jahre alte Polizist. Er könnte bereits seit Juli 2017 im Ruhestand sein. Doch Stark arbeitet gerne freiwillig länger als Leiter einer Polizeistation in Stuttgart. Täglich ermittelt er mit seinen Kollegen vor allem in Fällen von Alltagskriminalität – Diebstahl, kleinere Rauschgiftdelikte, häusliche Gewalt, Schlägereien.

Allein im baden-württembergischen Polizeidienst sind rund 550 Beamte über die gesetzliche Altersgrenze hinaus aktiv, sagt ein Sprecher des Innenministeriums. Dafür gibt es für die allermeisten einen Zuschlag. Im Durchschnitt über alle Laufbahngruppen hinweg betrachtet, liege dieser Zulagenbetrag im Schnitt bei rund 400 Euro brutto pro Monat. Ein Grund dafür, dass Innenminister Thomas Strobl (CDU) auf eine freiwillige Verlängerung der Dienstzeit setzt, ist unter anderem die anstehende Pensionswelle: Allein in diesem Jahr werden 1070 Beamte im Südwesten in den Ruhestand gehen oder vorzeitig ausscheiden.

"Wir sind dringend darauf angewiesen, dass Beamte freiwillig länger arbeiten", sagt Ralf Kusterer, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft. Unter der grün-roten Vorgängerregierung habe es eine verfehlte Einstellungspolitik gegeben. Es kämen nicht schnell genug junge Kollegen nach, so der Gewerkschaftsvertreter. In den Jahren 2018 und 2019 sollen im Land jeweils 1800 junge Leute ihre Ausbildung bei der Polizei starten. 2017 waren es 1400 Männer und Frauen. Wegen der Terroranschläge wurden die Einstellungszahlen erhöht.

Innenminister Strobl sagt, der Stellenpool für freiwillige Arbeitszeitverlängerungen schaffe einen Anreiz, damit der Polizei erfahrene Beamte länger erhalten blieben. "Der Erfolg polizeilicher Arbeit beruht, wie bei kaum einem anderen Beruf, auf Erfahrung und einer guten Spürnase." Eine gewisse Routine ist auch bei der Arbeit von Stark notwendig. Er war 19 Jahre im Streifendienst tätig. Er machte zunächst eine Ausbildung als Kfz-Schlosser, holte dann das Abitur nach und wählte erst im Alter von 23 Jahren seinen heutigen Beruf. Im Zuge der Dienstrechtsreform gehört er schon zu denjenigen, für die sich das Alter zum Eintritt in den Ruhestand nach hinten verschob. Es wird für die Beamten schrittweise angehoben. Im Jahr 2029 beträgt es im Polizeivollzugsdienst dann 62 Jahre.