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15. November 2017 00:00 Uhr

Nestwerk-Prozess

Stiftungschef griff in Kasse – Millionenschaden

Einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe soll ein 70-Jähriger mit einer im Sozialwohnungsbau tätigen Stiftung angerichtet haben. Nun steht er in Stuttgart vor Gericht.

  1. Der Angeklagte sitzt während dem Prozessbeginn wegen Untreue, Betrug und Bankrott gegen den ehemaligen Vorstand der Stiftung Nestwerk vor dem Landgericht in Stuttgart. Foto: dpa

Er wolle sich bei allen entschuldigen, die durch ihn Schaden erlitten hätten, sagt der grauhaarige Mann vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart. 245 Vergehen, von Untreue und Betrug über Urkundenfälschung, Insolvenzverschleppung, Bankrott und noch mehr sind dem einstigen hauptamtlichen Vorstand der Sozialstiftung "Nestwerk" von der Staatsanwaltschaft vorgehalten worden. Einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe soll er mit der im Sozialwohnungsbau tätigen Stiftung angerichtet haben.

Über Jahre baute und verwaltete die Stiftung Wohnungen, nutzte Fördergeld, das Belegungsrecht für zuletzt mehrere hundert Wohnungen hatte die Stadt Stuttgart. 2010 ging sie pleite. Mit Scheinrechnungen und gefälschten Urkunden soll der Angeklagte die Stiftung mindestens zwei Jahre künstlich am Leben gehalten haben. "Nestwerk" war 1994 "zur Vermeidung von Obdachlosigkeit und Wohnungsnot" gegründet worden.

Der Mann im schwarzen Rollkragenpulli und mit grauem Sakko müht sich um Aufklärung, viele Fragen aber bleiben. Mit einem Psychoanalytiker habe er seine Vergangenheit aufgearbeitet, berichtet er. Dabei habe er zwei Seiten an sich erkannt: auf der einen ein "herzensguter Kerle", auf der anderen "jemand, dem das Unrechtsbewusstsein fehlt".

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Unter dem Strich steht ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe, allein die Stadt Stuttgart blieb auf 4,6 Millionen Euro an Darlehen und Bürgschaften sitzen. Unter anderem soll der Angeklagte zwischen 2007 und 2010 Geld der Stiftung in Höhe von 1,8 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt haben. Unter Vorlage falscher Urkunden soll er Darlehen von 9,2 Millionen Euro erschlichen haben. Außerdem soll er mit Münzgeld betriebenen Waschautomaten in Wohnobjekten für Obdachlose geplündert und 13 000 Euro in Eimern zur Bank getragen haben.

"Es würde mich brennend interessieren, wofür Sie das ausgegeben haben", fragt der Richter. Er habe es privat "für alles mögliche" ausgegeben, sagt der Angeklagte. Weder für ein goldenes Auto noch für Reisen. Auf jeden Fall sei "alles weg".

Autor: dpa