Abschwung nach 2020?

dpa

Von dpa

Fr, 07. September 2018

Wirtschaft

Prognosen der Ökonomen.

BERLIN (dpa). Der Handelsstreit der Vereinigten Staaten mit der Volksrepublik China und anderen Regionen verunsichert Exporteure. Dennoch verlässt die deutsche Wirtschaft ihren Wachstumspfad bislang nicht.

Für dieses Jahr sowie für 2019 und 2020 rechnen drei große Forschungsinstitute mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von jeweils 1,7 bis 2,0 Prozent. Die Arbeitslosenquote soll erstmals seit der Wiedervereinigung im kommenden Jahr unter fünf Prozent sinken.

In ihren Herbstprognosen vom Donnerstag gehen das Münchner Ifo-Institut, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) (siehe auch nebenstehenden Bericht) und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) von einer sich 2020 allmählich abschwächenden Konjunktur aus. Das IfW sieht sogar Anzeichen dafür, dass "mit Beginn des nächsten Jahrzehnts dann der Abschwung einsetzen" wird. Das Institut begründet dies mit Engpässen etwa beim Personal und bei Gütern für die Produktion.

In ihren Herbstprognosen änderten zwei Institute (DIW, IfW) ihre Prognosezahlen vom Juni geringfügig nach unten, das Münchner Ifo hob seine Werte für 2018 und 2019 um einen Zehntelprozentpunkt an.

Deutsche Industrie mit weniger Aufträgen

Die starke Nachfrage nach Arbeitskräften dürfte die Erwerbslosigkeit weiter drücken. Das DIW erwartet 2,21 Millionen registrierte Arbeitslose 2019 in Deutschland, das entspräche einer Quote von 4,9 Prozent. Im folgenden Jahr könnte die Zahl auf 2,10 Millionen und eine Quote von 4,6 Prozent sinken.

Im Juli gingen nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei der deutschen Industrie 0,9 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat. Im Juni hatte es bereits einen scharfen Rückgang um 3,9 Prozent gegeben.

Europas Arbeitnehmer könnten in diesem Jahr etwas mehr vom anhaltenden Wirtschaftsaufschwung profitieren. Die Reallöhne in den 28 Mitgliedsstaaten der EU dürften 2018 voraussichtlich um durchschnittlich 1,0 Prozent steigen, wie es in einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung heißt. Im vergangenen Jahr waren die Löhne nach Abzug der Inflation im EU-Durchschnitt nur um 0,4 Prozent gestiegen.