Änderungen im Bankgeschäft

Banken müssen Telefonate mit Kunden über Wertpapiere aufzeichnen

dpa

Von dpa

Sa, 13. Januar 2018 um 14:05 Uhr

Wirtschaft

Wer Wertpapiere kauft, hat neuerdings Anspruch auf genauere Informationen. Banken müssen auch Beratungsgespräche aufzeichnen.

Mehr Verbraucherschutz und mehr Transparenz beim Wertpapierkauf – die Abkürzung "Mifid II" steht nach Einschätzung von Aufsehern für eine kleine Revolution im Bankensektor. Die Änderungen greifen seit Anfang Januar.

Was hat sich geändert?
Wertpapierkäufer haben jetzt Anspruch auf genaue Angaben zu den Kosten eines Finanzprodukts. Elisabeth Roegele, Leiterin der Wertpapieraufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), spricht von einem "Paradigmenwechsel im Anlegerschutz". Der Hersteller rücke stärker in den Fokus der Regulierung und solle Verantwortung für das Produkt während der gesamten Laufzeit übernehmen. Die neuen Vorgaben verlangen außerdem, dass eine Bank jedes Telefonat eines Kunden mit einem Wertpapierberater aufzeichnet und mindestens fünf Jahre lang archiviert. Diese Pflicht gilt auch für Gespräche in der Filiale, dort kann der Berater aber auch einen schriftlichen Vermerk anfertigen.

Gab es nicht schon ein Beratungsprotokoll?
In der Tat: Seit 2010 mussten Banken jedes Beratungsgespräch zu Wertpapieren dokumentieren. Berater und Kunde mussten das Protokoll unterschreiben. Das Beratungsprotokoll wird jetzt ersetzt durch eine sogenannte Geeignetheitserklärung. Darin hält der Berater fest, warum er einem Kunden ein bestimmtes Produkt empfohlen hat und warum die Bank das angesichts des persönlichen Risikoappetits und der Kapitalmarkterfahrung des Kunden für geeignet hält.

Warum gibt es diese Reform?
"Mifid II" ist die Kurzbezeichnung für eine EU-Richtlinie ("Markets in Financial Instruments Directive"), die nun in deutsches Recht umgesetzt wird. Hauptziele sind Anlegerschutz und mehr Transparenz in den Märkten. Als Lehre aus der Finanzkrise 2007/2008 soll etwa der Turbohandel an der Börse stärker überwacht werden. Auch soll verhindert werden, dass Anlegern riskante Produkte verkauft werden, ohne sie ausreichend über Risiken aufzuklären – Stichwort: Lehman-Zertifikate. "Für den Kunden wird in der konkreten Beratungssituation künftig einiges besser", sagt Roegele. "Die Kosten einer Geldanlage werden beispielsweise für ihn deutlich transparenter. Wichtig ist, dass er in der konkreten Beratungssituation künftig eine höhere Kostentransparenz hat."

Wie groß ist der Aufwand?
Der Privatbankenverband BdB rechnet mit einmaligen Umstellungskosten von einer Milliarde Euro für die deutschen Banken. Beispielsweise muss die Technik zur Aufzeichnung von Telefonaten in jeder Filiale vorhanden sein, zudem muss die Archivierung sichergestellt werden.

Klappt die Umsetzung reibungslos?
Im Herbst hatte sich die Bafin zuversichtlich geäußert: Das Ganze sei zwar eine "große Kraftanstrengung" für die Branche, aber insgesamt sei "Deutschland auf gutem Wege". Sollte es hier und da doch noch haken, werde die Behörde für eine Aufsicht mit Augenmaß eintreten.