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13. September 2017 00:00 Uhr

Insolvenz

Bei Air Berlin sind plötzlich alle krank

Maschinen am Boden, gestrandete Passagiere: Wenige Tage vor der Entscheidung über ihre Zukunft gerät Air Berlin in größte Turbulenzen. 200 Pilotenmelden sich arbeitsunfähig.

  1. Bleibt mangels Pilot im Hangar: Air- Berlin-Maschine Foto: dpa

Bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin haben sich ungewöhnlich viele Piloten krankgemeldet – offenbar aus Sorge um ihre Arbeitsplätze und aus Protest gegen die Unsicherheit, wie es mit ihnen weitergeht. Ein legales Arbeitskampfmittel sind solch kollektive Krankmeldungen nicht, wie der Bonner Arbeitsrechtsprofessor Gregor Thüsing sagt. Das Problem ist jedoch, dass ein Unternehmen eine "Go Sick"-Aktion in der Praxis nicht nachweisen kann.

Etwa 200 der 1500 Piloten meldeten sich laut dem Unternehmen krank, mehr als 100 der täglich 750 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen. Das Management sprach von einer existenzbedrohenden Situation für die Fluggesellschaft und kritisierte, ein Teil der Belegschaft spiele mit dem Feuer. Bei Air Berlin arbeiten rund 8000 Beschäftigte.

Eine kollektive Krankmeldung sei zwar "offensichtlich rechtlich unzulässig", sagt der Berliner Arbeitsrechtler Robert von Steinau-Steinrück. Wer sich krankmelde, ohne es zu sein, begehe Vertragsbruch und könne außerordentlich gekündigt werden. Der Arbeitgeber jedoch hat wenig Möglichkeiten zur Überprüfung: Er muss im Einzelfall für jeden Arbeitnehmer nachweisen, dass eine Krankmeldung nur fingiert war, wie Arbeitsrechtler Thüsing betont. Von Steinau-Steinrück verweist darauf, dass Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die ein Arbeitnehmer meist nach drei Kalendertagen vorlegen muss, vor dem Arbeitsgericht eine "fast unerschütterliche Beweiskraft" zugesprochen werde – auch hier habe der Arbeitgeber kaum eine Chance, diese zu widerlegen.

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Eine Gewerkschaft haftbar zu machen, ist "ebenfalls schwer", sagt von Steinau-Steinrück. Wäre eine kurzfristige kollektive Krankmeldung gesteuert, dann wäre sie ein wilder Streik, wer dazu aufruft, hat Schadenersatzpflicht. Deshalb wohl erklärte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Dienstagmorgen umgehend, sie habe bei Air Berlin "zu keinem Zeitpunkt dazu aufgerufen, sich krankzumelden".

Für die Fluggesellschaft ist die Lage ausgesprochen misslich. Laut von Steinau-Steinrück kann sie sich nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen – muss also im Ernstfall Entschädigungen für die Passagiere und ihre eventuelle Ersatzbeförderung zahlen.

Der Berliner Arbeitsrechtler nennt die kollektive Krankmeldung zusammenfassend ein "extrem schlaues Mittel". Zuletzt zu beobachten war es im vergangenen Herbst, als Piloten und Kabinenpersonal des Ferienfliegers Tuifly mehrere Tage lang für Verspätungen und Ausfälle sorgten. Im November 2015 kämpfte die Lufthansa kurz vor einem regulären Streik der Flugbegleiter mit dem Problem – wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß.

Autor: dpa