"Da werden Sie geholfen"

Matthias Arnold

Von Matthias Arnold (dpa)

Di, 04. September 2018

Wirtschaft

Die Telefonauskunft hat trotz Internet überlebt – zumindest bisher / Vor allem Ältere und Technikverweigerer nutzen den Dienst, der aus der Zeit gefallen scheint.

BONN. "Da werden Sie geholfen" – mit diesem Satz warb TV-Moderatorin Verona Pooth (damals noch Feldbusch) vor eineinhalb Jahrzehnten für die Telefonauskunft. Auch FC-Bayern-Manager Uli Hoeneß taugte damals zur Werbe-Ikone. Die Auskunft war für viele erste Anlaufstelle bei der Suche nach Telefonnummern und alten Freunden. Vor allem die jüngere Generation dürfte heute mit Pooth und Hoeneß genauso wenig anzufangen wissen wie mit der Auskunft. Doch auch in Zeiten von Internet und Smartphones sind die 11833 und die 11880 noch aktiv.

Das mag manchen überraschen. Heutzutage sucht doch, wer zum Beispiel einen Handwerker braucht, mit seinem Smartphone im Internet und kann dort gleich sehen, wie zufrieden andere Nutzer mit dem Handwerker waren. Auf die Idee, für zwei Euro und mehr pro Minute am Telefon nach der Nummer zu fragen, kommen heute nur noch wenige – würde man meinen. Doch "auch heute rufen noch im Schnitt, je nach Monat, rund 10 000 bis 12 000 Menschen täglich bei 11880 an, um persönliche Hilfe zu bekommen", teilt die 11880 Solutions AG mit. Das Unternehmen hieß früher Telegate und ist aktuell mit rund 40 Prozent Marktanteil nach der Telekom der zweitgrößte Auskunftsdienstleister. Gefragt werde nicht nur nach Telefonnummern, sondern auch nach Kinoprogrammen, Fahrplänen, Börsenkursen oder nach Ergebnissen wichtiger Fußballspiele.

Allerdings: Um die Jahrtausendwende, als die Auskunft ihre Hochzeit erlebte, sollen es täglich bis zu einer halbe Million Anrufer gewesen sein. "Das Gesamtvolumen des telefonischen Auskunftsmarktes sank pro Jahr um rund 20 Prozent", heißt es. Das spürt auch die Telekom. Rund zehn Millionen Anfragen seien im vergangenen Jahr bei der Auskunftsnummer 11833 eingegangen. Vor zehn Jahren seien es noch rund 100 Millionen Anrufe gewesen, teilt ein Sprecher mit. Die Zahl der Mitarbeiter in der Abteilung wurde inzwischen kräftig eingedampft.

"Die klassische Telefonauskunft wird eigentlich nur noch von sehr viel älteren Mitbürgern benutzt, oder von harten Technikverweigerern, Esoterikern etwa, die Angst vor Handystrahlung haben", sagt der Kommunikationsforscher Uwe Pöhls, der in Düsseldorf das Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung leitet. "Das Smartphone hat in dieser Hinsicht die Welt verändert."

Früher aber, als das Telefon eine der wenigen Möglichkeiten war, an Informationen zu kommen, war die Auskunft eine wichtige Anlaufstelle. So wichtig, dass die Telekom als sogenannter Universaldienstleister nach wie vor gesetzlich dazu verpflichtet ist, sie anzubieten. Schon seit mehreren Jahren prüft die Europäische Union, ob das angesichts der Digitalisierung noch zeitgemäß ist. 2016 schlug die EU-Kommission vor, Dienste wie die Auskunft oder Telefonzellen von den Universaldienstregelungen auszunehmen. Doch umgesetzt ist das bislang nicht. "Die Politik hat sich viel zu spät Gedanken darüber gemacht, was man mit diesem alten Kanal machen könnte, so dass er den Bedürfnissen der Bürger wieder entspricht", sagt Pöhls. Ein guter Ansatz war aus Sicht des Kommunikationsforschers die Einrichtung der Behördenrufnummer 115, mit der Bürger einen direkten Draht zu den Kommunen haben und Fragen zu Reisepass, Wohnung oder Auto stellen können. Doch am Ende kam auch diese Aktion angesichts der rasant fortschreitenden Digitalisierung zu spät. "Die Nutzungsdaten sind lächerlich", sagt Pöhls, "und die Nummer ist gar nicht flächendeckend in allen Ländern eingerichtet."

Auch die Telekom hat versucht, die Auskunft wieder attraktiver zu machen. "Es wurden diverse neue Angebote wie Hotel-, Mietwagen- oder Gastankstellensuchen getestet, die sich aber wirtschaftlich nicht abbilden ließen", heißt es. Die Telefonauskunft wird den Menschen trotzdem noch eine Weile erhalten bleiben – als nostalgische Erinnerung an eine andere Zeit.