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26. August 2010

"Der Kunde sollte auf Flugware komplett verzichten"

BZ-INTERVIEW mit Ernährungsexpertin Jenny Teufel vom Freiburger Ökoinstitut / Einige Tipps für den umweltbewussten Einkauf.

  1. Jenny Teufel, Ernährungsexpertin vom Freiburger Ökoinstitut Foto: Privat

Auch wenn ein Salat aus Spanien unter dem Aspekt Treibhausgasemissionen zum Teil besser abschneidet als ein hiesiges Produkt: Nur auf die CO2-Bilanz zu achten, sollte bei der Kaufentscheidung nicht alles sein, sagt Jenny Teufel, Ernährungsexpertin beim Freiburger Ökoinstitut. Beate Beule sprach mit ihr.

BZ: Frau Teufel, in den vergangenen Monaten ist in verschiedenen Studien nachgewiesen worden, dass regionale und auch ökologisch angebaute Lebensmittel gar nicht unbedingt besser sind als konventionelle Produkte. Ist die Kritik berechtigt?
Teufel: Tatsächlich gibt es einige Untersuchungen, die genau diese Ergebnisse haben. Es gibt allerdings auch andere Studien, in denen regionale und biologisch erzeugte Lebensmittel besser abschneiden. Hier spielt der konkrete Untersuchungsgegenstand eine große Rolle. So ist bei kleinen regionalen Betrieben der Energieeinsatz für die Verarbeitungsprozesse höher als bei überregional produzierenden Unternehmen. Betrachte ich nur die Treibhausgasemissionen, schneiden die regionalen Produkte deshalb schlechter ab. Aber eine nachhaltige Wirtschaftsweise beinhaltet auch noch andere Aspekte, die man in der Umweltschutzdebatte nicht aus den Augen verlieren sollte.

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BZ: Zum Beispiel?
Teufel: Nicht regional produzierte Lebensmittel müssen weit transportiert werden. Dafür benötige ich Straßen, die Flächen versiegeln. Die Lastwagen verursachen Lärm und Abgase. Auch das Thema Landschaftsschutz spielt eine Rolle. Ohne regionale Landwirtschaft gibt es keine Streuobstwiesen mehr, auch Wanderschafherden könnte man in der Natur nicht mehr erleben. Der direkte Kontakt zu den Lebensmitteln ginge komplett verloren. Nicht zu vergessen ist auch der Aspekt, dass durch den Kauf von regionalen Produkten die Wirtschaftskraft vor Ort gestärkt wird. Arbeitsplätze bleiben erhalten. Insofern sollte man mit pauschalen Urteilen für oder gegen regionale Lebensmittel vorsichtig sein.
BZ: Für den Kunden sind diese Feinheiten jedoch schwierig nachzuvollziehen. Die einzelnen Studien unterscheiden sich nicht nur in ihren Gesamtergebnissen, es gibt sogar Unterschiede je nach Art der Lebensmittel. Müssen Verbraucher zukünftig erst eine Doktorarbeit schreiben, um sich beim Einkaufen korrekt verhalten zu können?
Teufel: Ganz so schwierig ist es gar nicht. Der Kunde muss nicht jede einzelne Zahl der Studien kennen. Wenn er umweltbewusst einkaufen will, helfen ein paar einfache Regeln. Prinzipiell ist es immer richtig, sich an saisonalen Produkten zu orientieren. Also zum Beispiel nicht im Winter Erdbeeren zu kaufen, sondern erst, wenn die Früchte in Deutschland reif sind. Denn nicht nur die langen Transportwege verursachen Emissionen, sondern es ist auch klimaschädlich, wenn die Früchte in beheizten Treibhäusern angebaut werden. Außerdem sollte der Kunde auf Flugware komplett verzichten.
BZ: Es gibt aber auch Lebensmittel, die mit dem Schiff transportiert werden. Woran kann der Kunde den Unterschied erkennen?
Teufel: Auch hier gilt: Alles, was gerade in Deutschland keine Saison hat und was leicht verderblich ist – also etwa Erdbeeren oder Spargel – ist in der Regel mit dem Flugzeug transportiert worden, wenn es außerhalb Europas angebaut wurde.
BZ: Wie ist es mit Fleisch?
Teufel: Die persönliche Klimabilanz wird durch den Verzehr von Fleisch stark belastet. Vor allem Wiederkäuer setzen große Mengen an klimaschädigenden Gasen frei. Deshalb ist es generell zu empfehlen, den Fleischkonsum zu reduzieren. Das empfehlen unter dem Aspekt Gesundheitsvorsorge auch Ernährungsberater.

Autor: bbe