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27. Juli 2012

Manfred Noppel

Der Mann der leisen Töne

Nach über 30 Jahren an der Spitze des Handelsverbandes Südbaden ist der Hauptgeschäftsführer Manfred Noppel in den Ruhestand gegangen.

  1. Manfred Noppel Foto: Thomas Kunz

FREIBURG. Der Blick ist unschlagbar: Münsterturm, der Schönberg und die gesamte Innenstadt mit all ihren Geschäften. Hier, im zehnten Stock eines Hochhauses gegenüber vom Freiburger Hauptbahnhof, hatte Manfred Noppel, 65, bis vor kurzem sein Büro. Zum 1. Juli ist der langjährige Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Südbaden in den Ruhestand gegangen. Er wird den Blick vermissen, aber er wird sich nicht langweilen, nicht zuletzt wegen der zahlreichen Ehrenämter, die er innehat. Manfred Noppels Stimme wird noch lange gehört werden.

Seine Stimme war nie laut. "Ein Marktschreier? Das war nicht seine Art. Er hat sich selbst nie in den Vordergrund gestellt", sagt Hermann Frese, der bis 2006 fast drei Jahrzehnte lang der Präsident des Verbandes war, der 11 700 Unternehmen mit über 70 000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 17 Milliarden Euro vertritt. Noppel, selber zweifacher Familienvater, wuchs in Radolfzell am Bodensee auf. Seine Eltern hatten ein Geschäft für Haushaltswaren und Heizöl. Er studierte Betriebswirtschaft in Mannheim, war in einer Unternehmensberatung in Frankfurt tätig und kaufmännischer Leiter eines mittelständischen Druck- und Verlagsunternehmens. 1981 wurde Noppel Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Südbaden mit Dienstsitz in Konstanz, 1989 wurde er Hauptgeschäftsführer des Verbandes und zog vom Bodensee nach Freiburg. "Es war eine Zäsur", erinnert sich das CDU-Mitglied Noppel, der wegen des Umzugs in Radolfzell nicht mehr für den Stadtrat kandidierte, dem er zehn Jahre angehört hatte. Auch sein Amt als Offizier der Narrengarde der Narrizella Ratoldi 1841 gab er damals ab, seit 1999 ist er im Elferrat der Breisgauer Narrenzunft in Freiburg.

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Zu Beginn seiner Amtszeit in Freiburg setzte er mit dem Verband das damals politisch umstrittene Märkte- und Zentrenkonzept durch. "Rückblickend ist das ein großer Erfolg, viele andere Kommunen haben das Konzept übernommen", sagt Noppel. Man wollte den Einzelhandel in der Innenstadt und den Stadtteilzentren behalten. Das Konzept sorgte dafür, dass Händler mit sogenannten zentrumsrelevanten Sortimenten wie Mode, Schuhe oder Parfüm sich nicht außerhalb auf der grünen Wiese ansiedeln durften, Möbelhäuser oder Baumärkte hingegen schon. Die Folge: Freiburgs Einzelhändler haben größtenteils überlebt, in der Innenstadt wurde sogar kräftig investiert. Freiburgs Zentrum ist laut Noppel noch bunt und vielfältig verglichen mit anderen deutschen Städten. "Der Filialisierungsgrad bei uns ist mit 40 Prozent überschaubar, nur vier von zehn Geschäften gehören also zu einer großen Kette. In Gelsenkirchen im Ruhrgebiet sind es 80 Prozent."

Der langjährige Verbandspräsident Frese sagt über Noppel: "Er hat gerne Politik betrieben, aber vorsichtig und diplomatisch." Noppel sagt über sich: "Wenn man auf den Tisch haut, kann man sehr viel Porzellan zerschlagen, durch Gespräche kommt man eher zum Ziel." Die Gewerkschaft Verdi bescheinigt ihm Korrektheit, seine Mitarbeiter sagen, er sei ein ausgezeichneter und loyaler Chef gewesen.

Und jetzt? "Bisher merke ich noch nichts vom Ruhestand, aber allmählich werde ich wohl kürzer treten", sagt Noppel. Er kommt noch beinahe täglich in die Geschäftsstelle in der Eisenbahnstraße, es gibt viel zu tun. Unter anderen organisiert er die Reisen des Verbandes, demnächst geht es nach Irland. Zudem ist er Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft BBE Baden-Württemberg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Badischer Unternehmerverbände (VBU), hat diverse Vorstandsämter in der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung MIT, ist Vorstand im Verein Sicheres Freiburg, engagiert sich als Vorsitzender des Max-Weber- Kollegs in der gleichnamigen Schule und in der katholischen Kirche und ist ehrenamtlicher Richter am Finanz- und Verwaltungsgericht. 2004 hat er vom damaligen Regierungspräsidenten Sven von Ungern-Sternberg das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Dieser würdigte damals in seiner Laudatio die vielen Tätigkeiten Noppels außerhalb der Dienstzeit.

Die Herausforderungen an den Einzelhandel, denen sich fortan sein Nachfolger Utz Geiselhart stellen muss, beschäftigen Noppel auch im Ruhestand. Da ist die Problematik der Factory-Outlet-Center. Deren Ansiedlung, wie unlängst im elsässischen Roppenheim, kann dazu führen, dass die Kunden aus den Innenstädten abziehen. Da ist die Frage nach der Sicherheit und Sauberkeit in den Zentren. Und da ist nicht zuletzt das Thema Nahversorgung auf dem Land. Wie kann man sicherstellen, dass die Dörfer nicht veröden, dass es dort weiterhin Einkaufsmöglichkeiten gibt? "Genossenschaftlich organisierte Läden mit regionalen Produkten könnten eine Lösung sein", sagt Noppel. Der Neu-Ruheständler bleibt Freiburg treu. Seine Wohnung, fünf Gehminuten vom Münsterplatz entfernt, wird er als Rentner behalten. Aber er wird sich verstärkt in Richtung alte Heimat Radolfzell orientieren: "Der See lockt."

Autor: Dominik Bloedner