Deutsche Bank muss Abwicklung durchrechnen

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Di, 17. April 2018

Wirtschaft

Aufsicht will wissen, was Ende des Investmentbankings bedeutet.

FRANKFURT. Angeblich hat die Sache mit dem gerade vollzogenen Chefwechsel nichts zu tun. Vor einigen Monaten schon, heißt es in Frankfurt, habe die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer Funktion als Bankenaufsicht die Deutsche Bank angewiesen, durchzurechnen, was die Abwicklung wichtiger Teile ihrer Sparte für das Investmentbanking, also für das Handels- und Kapitalmarktgeschäft kosten würde. Nur Zufall, dass das gerade jetzt auf den Tisch kommt, wo Christian Sewing, der neue Vorstandsvorsitzende, zeigen muss, wie es für die angeschlagene Bank weitergehen soll? Das Geldhaus spricht von einem routinemäßigen Verfahren. Es gehe um die Konsequenzen einer geordneten Abwicklung von Positionen in den Handelsbüchern.

Fakt ist: Vor allem das Investmentbanking der Deutschen Bank steht im Fokus der Kritik. Es ist viel zu teuer, bringt zu wenig Ertrag und ist in erster Linie für die Skandale der Vergangenheit verantwortlich, deren Beilegung die Bank bislang einen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet hat – und wohl noch mehr Geld kosten wird. Sewing weiß, dass die Sparte alles andere als gut aufgestellt ist. "Wir müssen uns das Investmentbanking jetzt noch einmal ansehen", sagt er. Weitere Anpassungen, auch im Ausland schließt er nicht aus. Da könnte die von der europäischen Bankenaufsicht geforderte Berechnung neue Aufschlüsse liefern.

In der Kritik steht die Sparte auch bei vielen Mitarbeitern, nicht nur wegen der fragwürdigen, im Nachhinein extrem teuren Geschäfte der Vergangenheit, die Ex-Vorstandschef John Cryan nicht zu verantworten hat, die ihm gleichwohl doch zum Verhängnis geworden sind. Boni von 2,3 Milliarden Euro für die Investmentbanker für das vergangene dritte Verlustjahr in Folge sorgen nicht nur im Umfeld der Bank für Kopfschütteln.

Allerdings scheint das Aus für die Sparte für Sewing kein Thema. In wichtigen Geschäftsfeldern sei die Unternehmens- und Investmentbank gut unterwegs – und das weltweit, schrieb er nach seiner Berufung in einem Brief an die Beschäftigten. Auch Garth Ritchie, der neue alleinige Chef der Investmentbank, hat betont, dass es vorerst keine radikalen Schritte in der Sparte geben soll. Und nicht zuletzt rücken nach der Hauptversammlung Ende Mai auf Wunsch des umstrittenen Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner ehemalige angelsächsische Investmentbanker in das Kontrollgremium.

Analysten in Frankfurt sind jedenfalls überrascht, dass die Nachricht über die Anforderung der EZB an die Deutsche Bank im Blick auf ihr Investmentbanking gerade jetzt publik wird. Das sei schon ein wenig ungünstig, sagt Philipp Hässler, Bankenanalyst bei Equinet. Viele sehen für das Investmentbanking, wie es die Deutsche Bank derzeit betreibt, keine Zukunft. Zumal sie im Vergleich zu den großen US-Investmentbanken weiter zurückfällt. Nach Ansicht von Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch sollte die Deutsche Bank das Schwergewicht auf das Privat- und Firmenkundengeschäft, das Fondsgeschäft und die Vermögensverwaltung legen. Das Investmentbanking sollte nur noch begleitende Funktion haben. Mehr noch: Er empfiehlt dem Institut den Abschied von der Sparte. Die Risiken und die Kosten sind nach Ansicht von Hein zu hoch, die Gewinne zu niedrig.