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30. Januar 2012 00:01 Uhr

Sipri-Studie

Deutsche Reeder vorn beim Waffenschmuggel

Beim Seehandel spielen deutsche Reeder eine unrühmliche Rolle: Bei jedem fünften gemeldeten Vorfall in Sachen Waffen- oder Drogenschmuggel war ein Schiff mit deutschem Eigner involviert.

  1. So viele Container – Verladearbeiten im Hamburger Hafen Foto: dapd

KOPENHAGEN. In Zeiten der Eurokrise mag man sich in Deutschland daran gewöhnt haben, der Klassenprimus zu sein und vor allem die Griechen in diversen Statistiken auf die Plätze zu verweisen. Umso überraschender ist, was das renommierte Internationale Friedensforschungsinstitut Sipri in Stockholm in seiner jüngsten Studie mit harten Zahlen belegt. Demnach haben Reedereien mit Sitz in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten am häufigsten gegen Bestimmungen des Seehandels verstoßen. Bei jedem fünften gemeldeten Vorfall in Sachen Waffen- oder Drogenschmuggel war ein Schiff mit deutschem Schiffseigner involviert. Dabei liegt der Anteil der deutschen Schiffe an der Welthandelsflotte bei nur sieben Prozent. Auf Platz zwei der Verstöße folgen die Griechen, die jeden zehnten Vorfall zu verantworten haben, dahinter Reedereien aus den USA mit knapp acht Prozent. Erst dann folgen Staaten, die man an der Spitze vermutet hätte: Nordkorea, Panama und der Iran. Aber tatsächlich seien mehr als 60 Prozent aller Schiffe, die in Sanktionsverstöße oder in den illegalen Handel von Waffen, Drogen, Kriegsausrüstung und Gütern zur Herstellung von Raketen und Massenvernichtungswaffen verwickelt sind, im Besitz von Unternehmen, die in einem EU-, Nato- oder OECD-Staat sitzen.

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Die Studie ist die größte ihrer Art. Sie bezieht alle gemeldeten Vorfälle der letzten 20 Jahre ein, in die Handelsschiffe mit mehr als 100 Tonnen Bruttogewicht involviert waren. Die Zahlen seien aber kein Beleg dafür, dass die Reedereien für den Schmuggel verantwortlich seien oder ihn deckten, so Co-Autor Hugh Griffiths: "Die Schiffseigentümer und Kapitäne wissen oftmals gar nicht, was sie mit sich führen. Es ist recht einfach für Schmuggler, unter den legitimen Frachtgütern Waffen und Drogen zu verstecken."

Die Waffenindustrie habe sich laut der Studie inzwischen von den Drogenkartellen deren Verschleierungsmethoden abgeschaut. So würden Güter in versiegelten Schiffscontainern versteckt, die vorgeblich erlaubte Waren beinhalten; es würden Schiffe ausländischer Reedereien benutzt, die am legalen Warenverkehr beteiligt sind; zudem würden Umgehungsrouten gewählt, um die Überwachung der Schiffsladungen zu erschweren. "Die Umstellung auf Containerverkehr hat den internationalen Handel revolutioniert, gleichzeitig bietet er jedoch Schmugglern idealen Schutz. Jeden Tag fahren so viele Frachtschiffe durch die Häfen der Welt, dass nur ein kleiner Teil davon inspiziert werden kann. Schiffseigentümer und auch Zollbeamte müssen oft darauf vertrauen, dass das, was in den Dokumenten steht, auch wirklich der Ladung entspricht", sagt Griffiths. Weniger als zwei Prozent der versiegelten Container würden dahingehend untersucht, ob Handelsverbote missachtet werden.

Sipri wurde 1966 gegründet und ist eine unabhängige, internationale Einrichtung zur Erforschung von Konflikten, Rüstung, Rüstungskontrolle und Abrüstung. Als Konsequenz aus der jüngsten Studie fordert Sipri verstärkte Kontrollen und eine verbesserte Abstimmung zwischen Polizei, Zoll und Hafenbehörden. "Wir hoffen, dass diese Studie als ein Weckruf dienen kann", sagt Griffiths.

Autor: Marc-Christoph Wagner