Die Stromsparhelfer kommen später

dpa

Von dpa

Mo, 09. April 2018

Wirtschaft

Der Einbau der sogenannten intelligenten Zähler stockt – weil das Bundesamt für Datensicherheit noch kein Gerät zugelassen hat.

ESSEN (dpa). Manche nennen sie die Tausendsassas der Energiewende: intelligente Stromzähler. Sie sollen es Verbrauchern ermöglichen, Wäsche zu waschen, wenn der Strom besonders preiswert ist. Oder die selbst erzeugte Energie aus der Solaranlage zu guten Preisen ins Netz abgeben. Doch die Einführung der intelligenten Stromzähler ist ins Stocken geraten.

Eigentlich sollten die ersten größeren Stromverbraucher seit dem vergangenen Jahr mit den Smart-Metern ausgerüstet werden. Aber die Zugänge ("Gateways"), die den Zähler mit den Netzbetreibern und Stromlieferanten verbinden, haben noch keine Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erhalten. Neun Hersteller haben ihre Geräte eingereicht, teils schon vor Jahren. Das BSI schweigt, woran die Verzögerung liegt. "Aus Gründen der Vertraulichkeit kann das BSI keine Auskunft zum voraussichtlichen Abschluss der Zertifizierungsverfahren für die Smart Meter Gateways erteilen", sagt ein Sprecher.

Die Sicherheitsanforderungen an die Zugänge sind hoch. Ohne ausreichenden Schutz könnten Hacker den Stromzähler manipulieren oder das Haus vom Strom nehmen. Auch Erkenntnisse über Alltag, Gewohnheiten und Lebensstandard der Bewohner könnten über unzureichend abgesicherte Schnittstellen abgegriffen werden, wie Verbraucherschützer warnen. "Der Zertifizierungsprozess ist komplex und anspruchsvoll. Sowohl das BSI als auch die Hersteller betreten Neuland", sagt Nikolaus Starzacher vom Gerätehersteller Discovergy. "Das BSI nimmt seine Aufgabe zu Recht sehr ernst und lässt sehr gründlich prüfen." Discovergy hat seinen Antrag später als andere Hersteller eingereicht und rechnet mit einer Genehmigung bis Ende des Jahres. Erst wenn das BSI Geräte von drei voneinander unabhängigen Herstellern zertifiziert hat, kann die Auslieferung beginnen. Auch die großen Stromkonzerne warten auf die Entscheidung des BSI. Der Versorger Eon hat bereits 16 000 Gateways für einen kleinen Teil seiner rund sechs Millionen Kunden bestellt und hoffte auf eine Zertifizierung bis zum Ende des ersten Quartals 2017 – vergebens.

Für die meisten Privathaushalte sind intelligente Stromzähler allerdings noch Zukunftsmusik. Bei ihnen wird derzeit zwar auch der vertraute Zähler mit Drehscheibe ausgetauscht, aber nur gegen einen digitalen Stromzähler. Digitale Zähler können "ein bisschen mehr als die alten Zähler", sagt Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. An einem digitalen Gerät kann der Kunde beispielsweise ablesen, wie viel Strom er am Vortag oder in der vergangenen Woche verbraucht hat.

Noch sei das Ablesen der Werte aber schwierig: Viele Geräte müssten dafür umständlich mit einer Taschenlampe angeblinkt werden, bemängelt Sieverding. Der Nutzen der digitalen Zähler halte sich für den Stromkunden in Grenzen, sagt der Verbraucherschützer. Die neuen Zähler kosten aber mehr; jährlich dürfen bis zu 20 Euro berechnet werden, etwa sieben Euro mehr als bisher. Die höheren Kosten ließen sich beim Stromverbrauch mit Hilfe der neuen Geräte vermutlich nicht einsparen, meint der Verbraucherschützer. Und wenn der neue Zähler nicht in den Zählerkasten passe, könne es für den Haubesitzer richtig teuer werden.

Etwa 88 Prozent der Haushalte in Deutschland sollen digitale Zähler erhalten. Der Austausch läuft bereits. Bis aber alle Haushalte ausgestattet wurden, wird viel Zeit vergehen. Bis 2032 sollen alle Verbraucher laut Bundesnetzagentur mit einem digitalen Messgerät ausgestattet sein. Ihr zufolge gab es 2016 etwa sieben Millionen elektronische und gut 43 Millionen klassische Zähler.

Zum intelligenten Stromzähler werden die digitalen Geräte sowieso erst dann, wenn sie eine Kommunikationseinheit erhalten und über das Internet Daten versenden können. Doch eben hier hakt es. Großverbraucher (mehr als 10 000 Kilowattstunden im Jahr) und Betreiber von Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von mehr als sieben Kilowatt sollten schon seit vergangenem Jahr intelligente Messsysteme erhalten. Ab einem Jahresverbrauch von 6000 Kilowattstunden ist ein Pflichteinbau von 2020 an vorgesehen. Bei einem geringeren Verbrauch kann der Stromkunde den Einbau eines intelligenten Zählers beantragen – wenn denn endlich welche zugelassen sind.