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15. November 2017

Die Wirtschaft läuft und läuft und läuft

Ein Grund für steigende Renten ist die gute Konjunktur / Aber wie lange geht das so weiter? Ein Überblick über Chancen und Risiken.

Die deutsche Wirtschaft läuft auf Hochtouren und glänzt mit einem unerwartet kräftigen Wachstum im dritten Quartal. Um 0,8 Prozent legte die Wirtschaftsleistung zu. Was spricht für eine Fortsetzung des Booms, was dagegen?

Treiber des Wachstums

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist historisch gut, Sparen wirft wegen der Niedrigzinsen im Euroraum kaum etwas ab. Das schiebt den Konsum an. Zuletzt gab es aber einen kleinen Knick. Zwischen Juli und September stagnierten die Konsumausgaben auf dem Niveau des Vorquartals – laut Marktforschern vor allem wegen der Preisentwicklung. Insbesondere Nahrungsmittel sind teurer geworden. Mit einem Einbruch des privaten Konsums rechnen Ökonomen jedoch nicht.

Generell profitiert die exportorientierte deutsche Wirtschaft von der Erholung der globalen Konjunktur, die die Nachfrage nach "Made in Germany" ankurbelt. In den ersten neun Monaten gingen Waren im Wert von 955 Milliarden Euro ins Ausland – sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. "Auch die verbalen Störfeuer aus den USA seit einem Jahr konnten die Erholung der Weltwirtschaft nicht stoppen", sagt Holger Bingmann, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA. Wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kommen Verbraucher und Firmen billiger an Geld. Das stärkt die Bereitschaft, zu investieren.

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Risiken für das Wachstum

Die Wirtschaftsweisen sehen angesichts des ungewöhnlich langen Aufschwungs die Gefahr, dass die Konjunktur überhitzt. Die deutsche Wirtschaft befinde sich in einer Überauslastung, warnt das Beratergremium der Bundesregierung. Folge können Engpässe bei der Produktion sein, wenn Unternehmen bei weiter steigenden Aufträgen nicht schnell genug mit den nötigen Investitionen nachkommen oder keine Arbeitskräfte mehr finden.

Auch ein starker Euro könnte zum Problem werden, weil er Exporte nach China oder in die USA verteuert. In den vergangenen Monaten hatte der Euro gegenüber Dollar und Co. an Stärke zugelegt. Ein weiteres Risiko: US-Präsident Donald Trump steht dem Freihandel kritisch gegenüber, zuletzt verhängten die USA Strafzölle gegen Flugzeugimporte aus Kanada. Zwischen der EU und den USA gibt es Streit um Stahlimporte. Ein Dorn im Auge Trumps sind Deutschlands Überschüsse im Handel mit den USA.

Zudem fachen günstige Hypothekenkredite die Immobiliennachfrage an. Vom Bauboom profitiert die Wirtschaft insgesamt, zugleich steigen aber die Preise für Wohnimmobilien zum Teil extrem. Die Gefahr einer bald platzenden Immobilienblase sahen die amtlichen Gutachterausschüsse zuletzt aber ebenso wie viele Ökonomen nicht – noch nicht. Die Hypothekenschulden seien verglichen mit den verfügbaren Einkommen im Rahmen.

Autor: dpa