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11. August 2012

Einige Banken beenden ihre Agrargeschäfte

Commerzbank bereinigt ihre Fonds, die Deutsche Bank nicht.

  1. Der Getreidepreis steigt Foto: dpa

FRANKFURT. Mehr und mehr deutsche Banken steigen aus den Finanzgeschäften mit Agrarrohstoffen aus. Nach dem Sparkassen-Ableger Deka und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat nun die Commerzbank ihren Rückzug aus dem spekulativen Geschäft mit Grundnahrungsmitteln vollzogen. Weizen, Zucker, Soja und Mais liegen nicht mehr in ihren Rohstofffonds. Gründe nennt die zweitgrößte deutsche Privatbank nicht.

Der öffentliche Druck dürfte ausschlaggebend gewesen sein, auch jener der Verbraucherorganisation Foodwatch. Sie behauptet, nachweisen zu können, dass Spekulanten Nahrungsmittelpreise treiben und so den Hunger in armen Ländern verstärken. Finanzwissenschaftler sagen, ein Beweis für die Schädlichkeit von Agrarwetten könne nicht erbracht werden.

Jetzt fehlt vor allem noch die Deutsche Bank. Zwar wird Deutschlands größtes Kreditinstitut bis zum Jahresende keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auflegen, die auf Grundnahrungsmittel setzen. Aber bereits etablierte Fonds bleiben im Geschäft mit Weizen, Mais und anderen Agrarprodukten aktiv.

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Tatsächlich hat der jüngste deutliche Preisanstieg vor allem bei Mais und Weizen vor allem mit der verheerenden Dürre in den USA zu tun. Kritiker sagen, die Spekulation verstärke den Trend.

In den USA droht eine um ein Drittel geringere Ernte als in den Vorjahren. Laut dem Commerzbank-Rohstoffexperten Eugen Weinberg sorgte zudem schlechtes Wetter in Südeuropa, in den GUS-Staaten und in Südamerika dafür, dass der Maispreis seit Jahresbeginn um mehr als 20 Prozent gestiegen ist.Weizen und Soja haben sich sogar um ein Drittel verteuert.

Auch wenn seine Bank aus den Agrarwetten aussteigt, sieht Weinberg in diesen Geschäften keinen entscheidenden Grund für die steigenden Preise. Für den von Weinberg als Agflation bezeichneten langfristigen Preisanstieg sei "eine Kombination aus Angebotsbeschränkungen und stetigem Nachfragewachstum ausschlaggebend". Bis 2050 wachse die Weltbevölkerung auf neun Milliarden, von denen dann mehr als zwei Drittel in den Städten leben würden. Die Anbauflächen für Agrarrohstoffe könnten aber nur um fünf Prozent ausgeweitet werden. Es wachse weltweit gesehen die Mittelschicht und dadurch der Konsum von Fleisch. Um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, brauche es bis zu zehn Kilo Futtermittel. Mehr und mehr Agrarrohstoffen würden für Biosprit benutzt. Die Welternährungsorganisation FAO fordert am Freitag von den USA, als Reaktion auf die Dürre die Produktion von Biosprit zu reduzieren.

Foodwatch hält an seiner Bankenkritik fest. Wenn sich eine Bank nicht sicher sei, welchen Schaden ihre Anlagen anrichteten, gäbe es nur einen verantwortlichen Schritt: Sie vorsorglich nicht mehr anzubieten. Die Deutsche Bank und andere sollten sich an der Commerzbank ein Beispiel nehmen. Im Fokus der Kritiker stehen auch Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken und der Versicherungsriese Allianz, der über seine Tochter Pimco der größte deutsche Investor in Agrarprodukte sei.

Autor: Rolf Obertreis


2 Kommentare

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Gregor Bähr

Registriert seit: 19.08.2011

Kommentare: 397

11. August 2012 - 14:11 Uhr

Danke Foodwatch.
Richtiger Schritt Commerzbank.

Wer glaubt, daß der Hunger in der Welt von schlechten Ernten kommt, der glaubt auch, daß ein Zitronenfalter Zitronen faltet.

Wer mehr wissen will, kann sich z.B. bei Jean Ziegler schlauer machen.

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Heinrich Georg Hefter

Registriert seit: 25.02.2010

Kommentare: 160

12. August 2012 - 15:57 Uhr

Die FAO schlägt Alarm. Das Bundesamt für Naturschutz teilt mit: Die Zahl der Vögel auf den Feldern in Europa habe sich in den vergangenen 30 Jahren halbiert. Schuld sei die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen - gefördert durch die Europäische Union.

"Die Volksverblendungsstrategien der Politiker konnten erfolgreich vermitteln, daß der Anbau von Bioenergiepflanzen die Menschen vor der Klimakatastrophe bewahren hilft, sie unabhängiger macht von Öllieferungen schrecklicher Scheichs und dass er zudem Arbeitsplätze schafft", schreibt heute Frankfurter Allgemeine. Und:

"Unappetitlich wird die Angelegenheit, wenn Staaten die Lebensmittelproduktion verdrängen. Das muss ein Ende haben.

Von wegen Spekulanten. Die Preistreiber bei Lebensmitteln sind die Regierungen."

Unterdessen verkündet ein "Experte" der Badischen Zeitung:

"Öko-Energie dürfte 2013 Stromquelle Nummer eins werden."

Man muß schon dankbar sein, daß in dem dpa-Artikel wenigstens die Profession des Experten angegeben wird: Direktor des "Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien", das "die Öffentlichkeitsarbeit vieler Firmen der regenerativen Energiewirtschaft bündelt".

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