"Es hätte Größe, den Deal abzublasen"

dpa

Von dpa

Do, 23. August 2018

Wirtschaft

Aktionärsschützer wollen, dass die Fusion der Gashersteller Linde und Praxair abgebrochen wird.

MÜNCHEN (dpa). Wegen neuer Hürden der Kartellbehörden für die geplante Fusion von Linde und Praxair fordern Anlegerschützer den Abbruch. "Es hätte Größe, den Deal abzublasen und einzugestehen, dass man es auch im zweiten Anlauf nicht geschafft hat", sagte Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin des Anlegerschutzvereins DSW, der dpa. "Der Punkt ist erreicht, wo man darüber nachdenken muss, ob diese Fusion noch Sinn macht. Linde ist auch ohne Praxair gut aufgestellt." Auch aus Gewerkschaftskreisen kam erneut Widerstand.

Der Industriegasekonzern Linde und US-Konkurrent Praxair wollen einen neuen Weltmarktführer schaffen. Um die Bedenken von Kartellbehörden vor einer zu dominanten Position auszuräumen, müssen sie Geschäfte verkaufen. Die beiden Konzerne haben vereinbart, dass dabei die Grenze von 3,7 Milliarden Euro Umsatz oder 1,1 Milliarden Euro Betriebsgewinn nicht überschritten werden darf.

Doch das Projekt wackelt: Am Mittwochmorgen teilte Linde mit, dass die Aufseher mehr Zugeständnisse fordern. "Auf Basis weiterer Rückmeldungen von Wettbewerbsbehörden ist nunmehr davon auszugehen, dass die umsatzbezogene Obergrenze für Veräußerungszusagen überschritten wird", hieß es. Die Unternehmen verhandelten weiter und diskutierten mit Wettbewerbsbehörden über die Erfüllung der Auflagen.

Mit den neuen Hürden verschlechterten sich die Voraussetzungen für den Zusammenschluss, kritisierte Bergdolt. "Die erhofften Synergien von 1,1 Milliarde Euro im Jahr dürften so kaum zu halten sein." Mit dem Überschreiten der vereinbarten Obergrenze würden Linde und Praxair "die eigene Schmerzgrenze niederreißen", kritisierte sie. "Es drängt sich der Eindruck auf, als gehe es Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle nur darum, den Deal um jeden Preis durchzusetzen." Linde und Praxair hatten schon 2016 eine Fusion versucht. Damals scheiterte der Deal am Streit um den Konzernsitz. Reitzle will nun einen Weltmarktführer mit 28 Milliarden Euro Jahresumsatz schaffen – vor der französischen Air Liquide. Der Weg aber gestaltet sich schwierig. Die EU-Kommission stimmte dem Deal am Montag zu – allerdings unter Auflagen. Als entscheidende Hürde gilt die Zustimmung der US-Kartellbehörde. Auch Wettbewerbshüter aus anderen Ländern müssen die Fusion noch absegnen.

"Linde braucht die Fusion nicht", hieß es aus Gewerkschaftskreisen. IG Metall, IG BCE und Betriebsräte sehen das Vorhaben kritisch. Sie fürchten den Abbau von bis zu 10 000 Jobs und den Verlust von Mitbestimmungsrechten.