Führung in Unternehmen

Oft werden die Falschen befördert

Burkhard Fraune

Von Burkhard Fraune (dpa)

Do, 30. August 2018 um 08:30 Uhr

Wirtschaft

Nur wenige Unternehmen schaffen es zu definieren, was sie unter guter Führung verstehen.

Montag, der erste Schritt in Richtung Wochenende – so dürften viele in Deutschland denken, jedenfalls wenn man Umfragen folgt. Demnach hängen Millionen nicht besonders an ihrer Arbeit. Jeder siebte habe innerlich gekündigt, glaubt das Beratungsunternehmen Gallup. Kein Lob, keine klaren Aufgabe, keine Perspektive für die Mitarbeiter, das seien einige Ursachen.

"Das ist kein gutes Zeugnis für die Führungskräfte", sagt Studienautor Marco Nink und warnt: Schlechte Führung drücke auf die Motivation und koste Unternehmen daher Milliarden. Ein Blick in die Zahlen zeigt aber auch: Die Chefs werden besser. 59 Prozent der Beschäftigten sind vollständig oder teilweise der Meinung, dass ihre Chefs sie durch ihre Führung zu hervorragender Arbeit motivieren, acht Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Rund 17 Prozent stimmten dieser Aussage nicht oder größtenteils nicht zu, das sind sechs Prozentpunkte weniger.

Nachholbedarf gibt es für Deutschlands Führungskräfte aber weiterhin. Was die emotionale Bindung an den Arbeitgeber angeht, führte Gallup deutsche Arbeitnehmer im Vergleich der großen Industrienationen zuletzt irgendwo zwischen US-Amerikanern (top) und Japanern (mau). Von 100 Beschäftigten seien hierzulande nur 15 Prozent Feuer und Flamme für ihren Job, hieß es am Mittwoch. 14 Prozent dagegen hätten innerlich gekündigt. Und der Rest? Macht Dienst nach Vorschrift.

"Führungskräfte müssen sich vom Leistungskontrolleur zum echten Coach ihrer Mitarbeiter entwickeln", fordert Nink. Seine Untergebenen zu begeistern, statt ihnen die Daumenschrauben anzulegen, das ist eigentlich keine neue Devise für Manager. Geben Chefs ihren Leuten eigene Handlungs- und Entscheidungsspielräume, dazu vielfältige und auch vollständig leistbare Aufgaben, dann fördern sie damit Gesundheit, Wohlbefinden und Motivation der Mitarbeiter, wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erklärt.

Doch die Wirklichkeit ändert sich nur langsam. "Die Chefs haben in den meisten deutschen Firmen die Zügel fest in der Hand", folgert etwa der Personalvermittler Manpower aus einer eigenen Umfrage. Mitarbeiter hätten wenig Spielraum. Nur jeder Dritte dürfe allein oder im Team selbstständig Entscheidungen treffen. Die Ideen der Beschäftigten sind demnach kaum gefragt, Fehler würden selten auch als Lernchance begriffen.

"Den wenigsten Unternehmen gelingt es zu definieren, was sie unter guter Führung verstehen", sagt Nink. Er muss das sagen, denn Gallup verdient sein Geld auch mit Führungskräfte-Schulungen. Wäre in den Chefetagen alles in Butter, bräuchte die Berater keiner mehr. Doch auch andere Studien, etwa der AOK, bestätigen: Führungskräfte in Deutschland tun sich noch schwer damit, ihre Leute zu unterstützen, zu loben und ihnen Entscheidungen zu überlassen.

Warum das so ist? Oft würden die Falschen befördert, ist Soziologe Nink überzeugt. Meist rücken die Kollegen auf, die gute Experten in ihrem Bereich seien. "Der beste Verkäufer wird Vertriebschef." Erst danach zeige sich, dass er keine Leute führen könne. Im Unternehmen gebe es dann einen schlechten Chef mehr – und einen guten Verkäufer weniger.

Doch es kommt nicht nur auf den Chef an, das macht der Deutsche Gewerkschaftsbund deutlich. Sein Gute-Arbeit-Index zeigt: Auch ständige Erreichbarkeit, Flexibilisierung und schlechte Vereinbarkeit mit dem Familienleben belasten Mitarbeiter. Die DGB-Umfrage zeigt aber auch: Die Grundstimmung ist positiv. Es gibt immer weniger Arbeitslose, längst balgen sich Unternehmen um die Talente. In der jüngsten Ausgabe im vergangenen Herbst machte sich nur noch jeder Zehnte Sorgen um seinen Job.