Pensionskasse der Caritas in Schieflage

kna

Von kna

Do, 06. Dezember 2018

Wirtschaft

Aufsicht verbietet, neue Verträge abzuschließen und neue Mitglieder aufzunehmen.

KÖLN (KNA/BZ). Die Finanzaufsicht Bafin hat erstmals einer deutschen Pensionskasse verboten, neue Verträge abzuschließen, bestehende zu erhöhen und weitere Personen aufzunehmen. Es geht um die Pensionskasse der Caritas. Sie und ihr Schwesterunternehmen, die Kölner Pensionskasse, sind in finanzielle Schieflage geraten.

Die Kassen, die Betriebsrenten für bundesweit rund 55 000 Mitarbeiter von Caritas und anderen katholischen Einrichtungen organisieren, erfüllen nach Einschätzung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) derzeit bei der Kapitaldeckung nicht die gesetzlich vorgegebenen Anforderungen. Auch ein vorgelegter Sanierungsplan sei unzureichend, erklärte die BaFin. Bis auf Weiteres dürfen die Unternehmen keine neuen Versicherten aufnehmen und keine neuen Verträge abschließen.

Ein Sprecher der Pensionskasse mit Sitz in Köln sagte am Mittwoch auf Anfrage, zum Jahresabschluss 2017 sei ein "bilanzieller Fehlbetrag" entstanden, der nicht durch Eigenkapital gedeckt sei. Die Liquidität der Kasse sei aber keineswegs gefährdet. Eine Lösung solle im Januar oder Februar vorgelegt werden. Es gehe um Anpassungen des "Beitrags- und Leistungsgefüges". Im Klartext: Die Beiträge sollen steigen und die Zahlungen verringert werden.

Zur genauen Höhe und den Hintergründen des Fehlbetrags gab der Sprecher keine Auskunft. Laut dem jüngsten veröffentlichten Geschäftsbericht von 2016 haben die beiden Pensionskassen rund 55 000 Versicherte; darunter sind etwa 13 000 Personen, die Renten beziehen. Das Gesamtkapital der beiden Unternehmen liegt den Angaben zufolge bei etwa 900 Millionen Euro.

Die deutsche und die europäische Versicherungsaufsicht hatten schon im Frühjahr moniert, dass etliche deutsche Pensionskassen die Kapitalanforderungen nicht erfüllen. Namen wurden allerdings nicht genannt. Die Unternehmen leiden unter der anhaltenden Niedrigzinsphase.

Die Pensionskasse der Caritas geht auf das Jahr 1952 zurück. Damals gründeten verschiedene Diözesancaritasverbände ein Unternehmen, um betriebliche Zusatzrenten neben der gesetzlichen Rentenversicherung zu organisieren.

Die Kasse arbeitet vollständig kapitalgedeckt und nicht mit einem Umlagesystem wie etwa die gesetzliche Rentenversicherung. Die Rechtsform der Pensionskasse ist ein sogenannter "Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit". Damit sind alle Beitragszahler gemeinsam Träger der Kasse, und nicht etwa kirchliche Einrichtungen oder Caritasverbände.