Unpünktlich und zu wenig Gewinn

afp

Von afp

Di, 11. September 2018

Wirtschaft

Alarmbrief von Bahnchef Lutz an die Führungskräfte des Staatskonzerns.

BERLIN (AFP). Die Lage der Deutschen Bahn hat sich weiter verschlechtert. Der Staatskonzern liegt bei der Pünktlichkeit und beim Gewinn deutlich unter den selbst gesteckten Zielen, wie aus einem Brief von Bahn-Chef Richard Lutz an die Führungskräfte hervorgeht. Lutz kündigt darin eine strenge Kostenkontrolle an und ruft inständig zu einer besseren Zusammenarbeit auf. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub VCD sprach von einem "Hilferuf an die Bundesregierung".

Die schwierige Situation der Bahn habe sich in den vergangenen drei Monaten "nicht verbessert, sondern verschlechtert", schreiben Lutz und seine fünf Vorstandskollegen in dem auf den 7. September datierten Brief an die Führungskräfte im Konzern – es sind einige tausend. Sie erhalten alle drei Monate ein Schreiben des Vorstands mit aktuellen Zahlen.

Lutz beginnt mit der Pünktlichkeit im Fernverkehr: Sie sei "weiter abgerutscht" und habe im August bei nur 76 Prozent der Fernzüge gelegen. Dies sei schlechter als 2015, als das Unternehmen mit dem Projekt Zukunft Bahn gestartet sei. "Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ist außerdem klar, dass wir 2018 weder die Vorjahreswerte und schon gar nicht unser Ziel erreichen werden."

Dieses Ziel ist, dass vier von fünf Fernzügen (80 Prozent) weniger als sechs Minuten Verspätung haben. Ein Grund für die schlechten Werte in diesem Jahr: Die Bahn habe "eigene Themen wie zum Beispiel die Fahrzeugverfügbarkeit schlicht nicht im Griff", moniert der Vorstand.

Auch der Gewinn vor Steuern und Zinsen liege "deutlich unter dem Vorjahr und weit weg von unserer Zielsetzung", heißt es weiter. Die Einzelmonate Juni und Juli seien schlecht gewesen, die negative Abweichung zum Plan habe sich auf mittlerweile 160 Millionen Euro vergrößert. Daher stehe das bereits auf 2,1 Milliarden Euro reduzierte Ergebnisziel "im Risiko".

Der Vorstand habe daher eine "qualifizierte Ausgabensteuerung" beschlossen. Dies gelte ab sofort und bis auf Weiteres. Im Klartext: Es wird eine Ausgabensperre verhängt. Über inhaltliche Details würden die Führungskräfte "noch gesondert informiert", schreibt Lutz.