Bundesbank rechnet vor

Wer spart, macht Minus

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Mo, 20. August 2018 um 21:51 Uhr

Wirtschaft

Die niedrigen Sparzinsen und eine steigende Inflation sorgen dafür, dass ein durchschnittlicher Privathaushalt in Deutschland unterm Strich Geld verliert. Das hat die Bundesbank nun vorgerechnet.

Die niedrigen Sparzinsen und eine steigende Inflation sorgen dafür, dass ein durchschnittlicher Privathaushalt in Deutschland unterm Strich Geld verliert. Das hat die Bundesbank nun vorgerechnet.

Laut Bundesbank schrumpfte das gesamte Geldvermögen eines deutschen Durchschnittshaushalts im ersten Vierteljahr 2018 um 0,8 Prozent (neuere Daten liegen nicht vor). Eine negative Gesamtrendite hatte es zuletzt vor sechs Jahren gegeben – als die Krise der Eurozone ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Die Notenbank berücksichtigt alle Bargeldbestände, Einlagen, Ansprüche gegenüber Versicherungen sowie Anlagen in Aktien und Fonds. Selbst Sparer, die wegen der niedrigen Zinsen verstärkt auf Investmentfonds und Aktien gesetzt haben, mussten zuletzt negative Renditen hinnehmen. Zum einen sind dafür fallende Kurse an der Börse verantwortlich, zum anderen die auf zwei Prozent gestiegene Inflation. "Den Unmut der Sparer über die Niedrigzinsen kann ich gut verstehen", sagt Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

Lange habe ein Durchschnittsportfolio selbst in der Niedrigzinsphase noch Gewinn abgeworfen. 2016 hatte die Rendite nach Abzug der Inflation im Schnitt 0,9 Prozent betragen, 2017 waren es 1,4 Prozent. Im März 2016 hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf das Rekordtief von null Prozent gesenkt.

Bankeinlagen haben traditionell mit 40 Prozent den höchsten Anteil an den Geldersparnissen der Deutschen. Dahinter rangieren Versicherungsansprüche mit 35 Prozent. Investmentfonds mit Anleihen und Aktien kommen auf rund zehn Prozent, direkte Investitionen in einzelne Aktientitel auf etwa sieben Prozent.

Seit Mitte 2016 sind die Renditen von Bankeinlagen negativ. Alle anderen Anlageformen brachten bis Anfang des Jahres noch eine positive reale Rendite. Das hat sich mit Blick auf Fonds und Aktien nun geändert, nur Ansprüche an Versicherungen wiesen im Schnitt noch eine positive, wenn auch niedrige reale Rendite auf.

Während die niedrigen Zinsen Anleger belasten, entlasten sie Schuldner. Unterm Strich hat Deutschland laut einer Studie der Investmentbank Merrill Lynch von der Nullzinspolitik der EZB profitiert. Dies gelte besonders für den Staat und Unternehmen, die Kredite benötigen. Auch das Wirtschaftswachstum, die Beschäftigung und die Löhne hätten von der Anti-Krisen-Politik der EZB profitiert. Bei den Privathaushalten hielten sich Be- und Entlastungen die Waage.