Zukunftstechnik

Wird die Bundesrepublik bei der Batterietechnik abgehängt?

Hannes Koch

Von Hannes Koch

Fr, 02. März 2018 um 10:30 Uhr

Wirtschaft

Der Autozulieferer Bosch baut keine Fabrik für die Zellen der Stromspeicher. Die Regierung und die EU halten halten solch eine Fertigung jedoch für notwendig.

Noch ist Deutschland ein Zentrum der globalen Autoindustrie. Die hier entwickelten und gefertigten Produkte bringen Unternehmen, Beschäftigten und Finanzministern jedes Jahr Hunderte Milliarden Euro ein. Aber die Branche wandelt sich – zum Beispiel in Richtung E-Mobilität und batteriebetriebene Fahrzeuge. Das Unternehmen Bosch verzichtet allerdings auf den Aufbau einer Fabrik für Batteriezellen, die Elektrofahrzeuge antreiben könnten. Die Bundesregierung und die EU-Kommission versuchen dagegen, eine solche Produktion voranzutreiben.

"Aus wirtschaftlichen Gründen hat Bosch sich gegen den Aufbau einer eigenen Zellfertigung entschieden", erklärte der Konzern. Es sei "wichtig, die Zelle technisch zu verstehen, fertigen müssen wir sie nicht", sagte Geschäftsführer Rolf Bulander. Der in Stuttgart beheimatete Zulieferer will aus der Forschung für die nächste Generation der Lithium-Ionen-Batterien aussteigen und eine US-Firma verkaufen, die sich mit dem Thema beschäftigt. 20 Milliarden Euro brauche man, um einen weltweiten Marktanteil von 20 Prozent bei Batteriezellen zu erreichen, sagte Bulander. Diese Investition ist dem Konzern zu hoch und zu unsicher.

Die Batterieproduktion ist eine Kerntechnik im Rahmen der Elektromobilität. In einigen Jahrzehnten werden möglicherweise die meisten Fahrzeuge mit Strom aus Wind- und Solarkraftwerken rollen. Die Batterie soll den Strom speichern. Gegenwärtig sind asiatische Konzerne Marktführer in der Herstellung der Zellen. Dazu gehören LG aus Südkorea, Panasonic aus Japan und der chinesische Produzent BYD. Die hiesigen Fahrzeughersteller und Zulieferer kaufen diese Zellen, setzen sie zu Batterie-Modulen zusammen und versehen sie mit Steuerungselektronik. Hier sieht sich Bosch als Marktführer.

Die Debatte dreht sich darum, ob deutsche und europäische Firmen auch die Speicherzellen fertigen sollten. "Wir brauchen mehr als zehn große Batteriefabriken in Europa", sagte EU-Energiekommissar Maros Sefcovic kürzlich. Für die E-Mobilität seien die Zellen und Batterien zentral, so Sefcovic. Wer glaube, die Batterien einfach einkaufen zu können, sei blind oder sogar naiv. Die Bundesregierung sieht das ähnlich und fördert Unternehmen, die an der Vorbereitung der Zellproduktion arbeiten. Bislang allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Mehrere Initiativen von Firmen und Forschern beschäftigen sich mit dem Thema.

Holger Gritzka, ehemaliger ThyssenKrupp-Manager, jetzt Chef des Konsortiums TerraE, kündigt den Bau einer ersten Fertigungsanlage in der Bundesrepublik für den Sommer dieses Jahres an. Die Herstellung der Stromspeicher soll Ende 2019 beginnen. Zusammen mit Siemens, Thyssen-Krupp System Engineering und weiteren Partnern betreibt TerraE das Fab-4-Lib-Forschungsprojekt, das die großtechnische Produktion von Lithium-Ionen-Zellen entwickeln soll. Auch der Autozulieferer Continental erwägt, in die Zellfertigung einzusteigen.