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01. Dezember 2011 19:04 Uhr

Tourismus

Neue Schilder an der A5: Tuniberg rückt zum Kaiserstuhl auf

"Weinland Kaiserstuhl und Tuniberg" steht auf neuen Schildern, die an der A 5 aufgestellt werden. Das ist ein Aufstieg für den Tuniberg – der stand bisher ganz im Schatten des Kaiserstuhls.

  1. So sehen sie aus, die neuen Hinweistafeln an der A 5. Foto: Silvia Faller

Regierungsvizepräsident Klemens Ficht und Vertreter des Badischen Weinbauverbandes weihten die neuen Hinweistafeln bei der St. Erentrudiskapelle ein. Diese Kapelle, die von der Autobahn aus sichtbar ist und als Wahrzeichen der Freiburger Ortschaft Munzingen und des ganzen Bereichs Tuniberg gilt, wird auch auf der Tafel zu sehen sein – in stilisierter Form jedenfalls und in den Farben braun und weiß, die für touristische Schilder an Autobahnen üblich sind. Weiter zeigen die Tafeln die historische Altstadt Endingens und den Totenkopf, die mit gut 555 Meter über dem Meeresspiegel höchste Erhebung des Kaiserstuhls samt Fernmeldeturm. Die Darstellung des Totenkopfs und seiner Nachbarn findet sich auch im Logo des "Naturgarten Kaiserstuhl". Das Regierungspräsidium lässt die Schilder in Höhe von Riegel und Bad Krozingen in beiden Fahrtrichtungen aufstellen.

50 Tafeln alleine zwischen Offenburg und Basel

Die Winzer vom Tuniberg freuen sich jedenfalls riesig, dass auch ihr Bereich nun endlich an der Autobahn erscheint. Viele Jahre lang haben sie sich über das Defizit geärgert, zumal entlang der Rheintalautobahn auch die anderen südbadischen Bereiche Ortenau, Breisgau und Markgräflerland markiert sind. Ein Extra-Schild war nach Auskunft von Klemens Ficht jedoch nicht möglich, weil bestimmte Abstände einzuhalten sind. Zwischen Offenburg und Basel gibt es 50 Tafeln, da war schlichtweg kein Platz mehr.

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Schon die beiden früheren Regierungspräsidenten Conrad Schroeder und Sven von Ungern-Sternberg sahen sich mit den Beschwerden der Tuniberg-Winzer konfrontiert. Sie motivierten die Weinbauverbände in den beiden Bereichen, sich auf ein gemeinsames Schild zu verständigen. Das aber war nicht gelungen, wie Karl-Heinrich Maier, Vorsitzender der Verbandsmitglieder im Bereich Tuniberg, bei der Feier in Munzingen bekannte. Zu groß waren offenbar die Animositäten zwischen den Weinerzeugern und -vermarktern.

Interaktive Karte: Schilder an der A5

Zuletzt hatten die Weingüter und Winzergenossenschaften vom Tuniberg vor vier Jahren eine "eigene Tafel" an der Autobahn beantragt, was 2008 wiederum vom Stuttgarter Innenministerium abgelehnt wurde. Daraufhin hat sich dier Badische Weinbauverband der Sache angenommen und zwischen den Winzern und den Behörden vermittelt. Das Ergebnis dieses Bemühens sind nun Tafeln, die auf beide Bereiche hinweisen, die bei der Weinwerbung, beim Kaiserstuhl-Tuniberg-Weinfest, bei der Wahl einer Weinprinzessin oder auch beim Projekt Plenum kooperieren, wie Kilian Schneider,

In beiden Bereichen gibt der Lös den Ton an

Zu verdanken sind die beiden Landschaftsgebiete einem Geschehen, das vor rund 35 Millionen Jahren seinen Anfang nahm, als der Oberrheingraben einbrach und Schwarzwald und Vogesen sich erhoben. Diese Absenkung verlief alles andere als reibungslos und gleichmäßig. Unruhig und in Bewegung war die Erdkruste. Dabei brachen Spalten bis tief ins Erdinnere auf und heißes, flüssiges Gestein wurde als Lava hinausgeschleudert, erkaltete und bildete mit den aufgebrochenen oberen Gesteinsschichten das Bergmassiv, das seit dem Mittelalter als Kaiserstuhl benannt und mit einer Rebfläche von knapp 4300 Hektar bestockt ist.

Der Tuniberg hingegen, der eine Anbaufläche von rund 1100 Hektar Reben aufweist, ist als eine Bruchscholle anzustehen, die bei der Absenkung stehen geblieben ist. Er ist komplett, der Kaiserstuhl hingegen teilweise mit einer dicken Lössschicht bedeckt. Dieses Bodenmaterial bildete sich in Eiszeitphasen, indem Stürme meterhoch Sand und Staub ablagerten. Geologen sprechen von Windsedimenten. Der Kaiserstuhl und der Tuniberg, die ja aus der sonst ebenen Oberrheinebene herausragten, wirkten sozusagen als Sandfänge.

Was den Wein betrifft, dominieren in beiden Bereichen die Burgundersorten. Die Vulkanböden am Kaiserstuhl bringen jedoch Weine mit einem sehr speziellen Geschmacksprofil hervor, das im Anbaugebiet Baden einzigartig ist.

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Autor: Silvia Faller