Neues Urteil zu Hüftprothesen

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Sa, 04. August 2018

Südwest

Schmerzensgeld für 78-Jährige.

FREIBURG (hup). Im Freiburger Skandal um massenhaft eingebaute, schadhafte Hüftprothesen hat eine weitere Patientin einen Prozesserfolg errungen. Das Landgericht Freiburg sprach der 78-Jährigen ein Schmerzensgeld von 30 000 Euro zu. Auch muss der Prothesenhersteller, die Schweizer Firma Zimmer GmbH mit ihrer deutschen Tochterfirma, der Klägerin "die weiteren materiellen und immateriellen Schäden" und die Prozesskosten bezahlen, heißt es in dem Urteil der Zweiten Zivilkammer des Gerichts vom vergangenen Montag, das der BZ vorliegt.

Es ist der zweite Prozesserfolg eines Geschädigten in dieser Serie, mehr als 100 weitere Verfahren sind anhängig. Rechtskraft hat die Entscheidung allerdings noch nicht. Die Herstellerfirma hat sich gegen die erste Entscheidung mit Berufung und Befangenheitsanträgen gegen Sachverständige gewehrt. Das erwartet der Anwalt der Klägerin, Sascha Berst-Frediani, auch bei dieser zweiten Entscheidung. Die Firma Zimmer, deren deutsche Filiale in Freiburg residiert, ließ wiederholte Anfragen unserer Zeitung an diesem Freitag dazu unbeantwortet.

Seit etwa 2005 waren die damals neuartigen Großkopf-Hüftprothesen Hunderten von Patienten eingebaut worden, überwiegend in der orthopädischen Abteilung des Freiburger Loretto-Krankenhauses. Binnen weniger Jahre klagten zahlreiche Empfänger über Beschwerden. Eine – laut Sachverständigengutachten und Gerichtsurteil – "produktfehlerhafte" Konusverbindung zwischen Schaft und Kopf des künstlichen Gelenks erzeugte einen Metallabrieb, der bei den Patienten Gewebeentzündungen und Knochenschwund bewirkte.