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29. August 2013 15:42 Uhr

Lindenplatz

NPD-Wahlkampf in Offenburg – 300 Gegendemonstranten

Ein breites Bündnis gegen Rechts: 300 Gegendemonstranten haben eine Kundgebung der NPD in Offenburg in lautstarkem Protest erstickt. Die Polizei hielt NPD und Demonstranten auseinander.

Gemessen an Karlsruhe und Pforzheim hat Offenburg glänzend abgeschnitten. Rund 300 Gegendemonstranten stellten sich am Donnerstag dem knappen Dutzend NPD-Wahlkämpfer entgegen. Sie veranstalteten einen solchen Höllenlärm, dass die Parolen der Rechten nicht recht durchdrangen. In den genannten Städten waren es am Vortag jeweils nur rund 100 Gegendemonstranten. Dabei sind Pforzheim mit 115.000 und Karlsruhe mit 290.000 deutlich größer als Offenburg mit seinen 57.000 Einwohnern.

Dass trotz des Werktagvormittags in den Ferien so viele Gegendemonstranten sich der NPD-Stimmungsmache gegen Ausländer, Politiker der etablierten Parteien, die als Volksverräter beschimpft wurden, und Europa entgegenstellten, wertete Oberbürgermeisterin Edith Schreiner als Erfolg. Sie stellte sichtlich erleichtert für die "Freiheitsstadt Offenburg mit ihrer demokratischen Tradition" fest, dass "rechtes Gedankengut hier keine Chance hat."

Peter Dieterle, Chef des Polizeireviers Offenburg, spricht von einem Erfolg: "Unser Sicherheitskonzept hat funktioniert. Dass außer Worten nichts geflogen ist, freut mich. Ein großes Lob an die Offenburger. Sie haben das deutlich, aber gewaltfrei durchgezogen. Das ist Demokratie", so Dieterle. Auch Klaus Melder, als Ortenau-Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds maßgeblich für die Organisation der Gegendemo verantwortlich, freute sich über die gute Resonanz auf den Aufruf zum friedlichen Protest durch Antifa, Gewerkschaften, Parteien und Stadtspitze. Mutter Martina Merkle, Superiorin des Klosters Unserer Lieben Frau und Vizevorsitzende der BI Bahntrasse, hätte sich allerdings noch mehr Vertreter der Kirche bei der Gegendemo gewünscht.

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Immerhin war auch Pfarrer Christian Kühlewein-Roloff von der evangelischen Stadtkirche dabei. Um 9.30 Uhr hatten sich die Gegendemonstranten vor dem Rathauser versammelt. Mit dabei auch OB Edith Schreiner, sowie die Bundestagskandidaten Elvira Drobinski-Weiß (SPD, MdB), Jan Sachs (FDP), Lars Stern (Die Linke) und Norbert Hense (Piratenpartei), die zusammen mit Grünen-Kandidat Ludwig Kornmeier am Vortag einen gemeinsamen Gegendemonstrationsaufruf verfasst hatten. Auch Bürgermeister Jopen und etliche Stadträte gesellten sich später noch dazu.

Gemeinsam ging es anschließend zum Lindenplatz, den die NPD von 9 bis 12 Uhr für ihre Wahlkundgebung gemietet hatte. Seit den frühen Morgenstunden sicherte eine Streife den Platz. Um 8 Uhr begannen dann Polizeikräfte einen Ring aus Absperrgittern aufzubauen, um NPD-Aktivisten und Gegendemonstranten von einander zu trennen.

Rund eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei regelte dann umsichtig und mit Augenmaß das Aufeinandertreffen der Demonstrationsparteien, von dem Moment an als gegen 10.30 Uhr der Lastwagen mit dem NPD-Schriftzug unter Lärm und Schmähungen ("Wir wollen keine Nazi-Schweine!, Nazis raus! Ihr habt den Krieg verloren!") der Gegendemonstranten in die Arena einfuhr.

Trotz einer potenten Beschallungsanlage drangen der NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel und Matthias Faust, Beisitzer im Bundesvorstand, mit ihren Reden nur fragmentarisch durch diese Wand aus Lärm: Es ging gegen Multikulti, für soziale Gerechtigkeit, gegen Lobbyisten und das internationale Großkapital, gegen Überfremdung, gegen Kriege in denen deutsche Soldaten sterben, gegen Asylbewerber, gegen Moslems und gegen die EU. Apfel: "Wir wollen, dass Deutschland wieder das Land der Deutschen wird." Musik, Abbau, Abfahrt.

Danach machte sich unter den Gegendemonstranten eine gewisse Volksfeststimmung breit. Die Gruppe Fidel Tastro aus Neuried spielte auf dem Lindenplatz Volksmusik – aus vielen Ländern Europas.

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Autor: Ralf Burgmaier, Video: Bastian Henning, Florian Kech