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16. November 2017

Null Gruppendynamik im Heldenkollektiv

COMICVERFILMUNG: "Justice League" von Zack Snyder enttäuscht mit einem dummen Drehbuch und bloßem Digital-Krawall.

  1. The Flash (Ezra Miller) Foto: enos

Im Genre der Superheldenfilme konkurrieren die Comic-Häuser Marvel und DC mit großer Ausdauer um die lukrativen Marktanteile. Dabei hinken die DC-Kollegen, zumindest, was die Vernetzung ihrer Werke angeht, immer ein wenig hinterher. Marvel hat in den vergangenen Jahren seine kreativen Ressourcen in einer kunstvollen Franchise-Choreografie gezeigt. Das gilt besonders für die "Avengers"-Filme, in denen das stetig wachsende Arsenal firmeneigener Superhelden im Kollektiv zum Geld scheffeln antritt.

Das Konzept versucht nun DC mit "Justice League" zu kopieren – freilich ging die inspirationslose Personalzusammenlegung von "Batman vs Superman: Dawn of Justice" 2016 gründlich baden. Die Erwartungen an die Gerechtigkeitsliga waren entsprechend bescheiden – wäre da nicht im Sommer noch die DC-Heroine Wonder Woman aufgetaucht, die dem Superheldengewerbe endlich den notwendigen femininen Input injizierte.

Aber leider macht Regisseur Zack Snyder dort weiter, wo er mit "Batman vs Superman" aufgehört hat. Zu Beginn des Filmes trauert die Welt um Superman (Henry Cavill), der beim Hahnenkampf mit seinem Konkurrenten Batman ums Leben gekommen ist. Weshalb das Böse jetzt natürlich seine Chance wittert. Der missgelaunte Steppenwolf – mit Wasserbüffelgeweih, Feueraxt, Akneproblemen und postödipalen Störungsmustern – tritt mit einer Heerschar von blutrünstigen Riesenmoskitos auf, um zu tun, was Männer seines Formats eben tun: die Welt vernichten. Batman hat massive Schuldkomplexe wegen des vorzeitigen Ablebens von Superman, aber er sieht die Welt in Gefahr und stellt ein Team zusammen, das tun soll, was Helden eben tun: die Welt retten.

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Mit von der Partie sind Wonder Woman (Gal Gadot), The Flash (Ezra Miller), Meeresgott (Jason Momoa)und Cyborg (Ray Fisher). Eine gefühlte Ewigkeit hält sich Snyder mit der Rekrutierungsphase auf und kann dann mit seiner Vollversammlung nichts anfangen. Null Gruppendynamik im Heldenkollektiv – logisch, dafür bräuchte man ja eine schlüssige Figurenzeichnung. Nach zerdehnten Scharmützeln ist klar, dass auch die geballte Kraft des Kollektivs dem Steppenwolf nicht beikommt. Da passt es gut, dass tote Superhelden nie mausetot sind und Henry Cavill sich auch künftig über Studiohonorare freuen kann.

Strohdummes Drehbuch, hölzerne, humorlose Dialoge, die für ein Teamunternehmen unproduktive Fixierung auf einen Obersuperhelden, das Kinn von Ben Affleck, das unvorteilhaft unter der Batmanmaske hervorlugt – "Justice League" hat viele Probleme, aber das größte heißt Zack Snyder. Der Mann kann einfach nur Macho und Digital-Krawall, und das ist mittlerweile selbst im Superheldengewerbe zu wenig.

Da ist es nur symptomatisch, dass Wonder Woman nach ihrem furiosen Solostart unter der Regie von Patty Jenkins nun in Snyders Film zur Psychotante herunter gedimmt wird. Während die Amazone darüber sinnieren muss, dass sie zwar zur Kämpferin, aber nicht zur Anführerin geboren ist, wird wenig später der kühlschrankgroße Brustkorb des führungswilligen Erlösers (Name der Redaktion bekannt) leuchtend ins Bild gesetzt. Komm schon, Zack, ernsthaft?

"Justice League" (Regie: Zack Snyder) läuft flächendeckend. (Ab 12)

Autor: Martin Schwickert