Soko Kreisel

Bluttat bei Offenburg: Ermittler finden mögliche Beweismittel

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Di, 15. Mai 2018 um 16:21 Uhr

Offenburg

Nach dem gewaltsamen Tod eines 43-Jährigen in Offenburg haben Ermittler mögliche Beweismittel entdeckt. Zuvor hatten sie am Fundort der Leiche erneut nach Spuren gesucht.

Nach der Bluttat beim Offenburger Südring-Kreisel, wo in der Nacht am Samstag ein 43-jähriger Mann erschossen aufgefunden wurde, gibt es noch keine heiße Spur. Die beim Polizeipräsidium Offenburg eingerichtete 50-köpfige Sonderkommission "Kreisel" wertet derzeit akribisch Meldungen aus der Bevölkerung aus. Zudem erhoffen sich die Fahnder Hinweise aus einer erneuten Suchaktion rund um den Tatort nahe eines Erdbeerstandes. Knapp 30 Kräfte des "Polizeipräsidiums Einsatz" durchkämmten das Areal, unter anderem auch mit Metalldetektoren.

Es ist 9 Uhr am Dienstagmorgen. Der Erdbeerstand beim Südring-Kreisverkehr zwischen Offenburg und Ortenberg wird für den Verkauf vorbereitet. Auch vier Tage nach dem Gewaltverbrechen gegen einen türkischstämmigen Mann aus Lahr gibt es hier kaum ein anderes Gesprächsthema. An diesem trüben Mai-Morgen sorgen diverse Einsatzfahrzeuge der Polizei für weiteres Aufsehen. Beamtinnen und Beamte des Polizeipräsidiums Einsatz haben den von Feldern, Wiesen und Obstbäumen geprägten Bereich um den Tatort weiträumig abgesperrt. Akribisch werden mit rot-weißem Absperrband unterteilte Areale Zentimeter für Zentimeter abgesucht. Dazu werden auch mehrere Metalldetektoren eingesetzt.

"Wir suchen nach jedem Strohhalm"

Dass auch die kleinste Spur zur Aufklärung beitragen kann, hat sich nicht zuletzt nach dem Mord an der Freiburger Studentin Maria L. gezeigt: Damals brachte bekanntlich ein von der Polizei an einem Dornbusch gefundenes Haar den entscheidenden Hinweis auf den Täter.

Die Suchaktion ist, wie berichtet, nicht die erste: Schon in der Nacht auf Samstag waren Kriminaltechniker stundenlang auf Spurensuche in dem damals vom Technischen Hilfswerk (THW) ausgeleuchteten und später von der Feuerwehr gesäuberten Tatort-Bereich unterwegs. Sie sicherten Spuren am Opfer, an dessen Fahrzeug und in der Umgebung. Doch mitunter wird erst bei Tageslicht gefunden, was nachts übersehen wurde. Zudem wurde der Suchbereich am Dienstag nochmals ausgeweitet. "Jetzt geht es um weitere Gegenstände, die möglicherweise tatrelevant sein können – wir suchen nach jedem Strohhalm", sagt Wolfgang Kramer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg. "Die Ermittlungen können schon durch einen kleinen Gegenstand schnell in eine konkrete Richtung gehen", ergänzt sein Kollege Yannik Hilger.

Fakt ist, dass der Fundort auch der Tatort ist. Der 43-jährige Mann war von seiner Wohnung in Lahr gegen 23 Uhr aufgebrochen und hatte im persönlichen Umfeld angegeben, zu einem Treffen zu fahren. Um 00.41 Uhr war er von einer Autofahrerin gefunden worden: Sein Leichnam lag mit einer Schusswunde auf dem Asphalt jener T-Kreuzung östlich des Erdbeerstandes, wo ein landwirtschaftlicher Weg links nach Offenburg und rechts nach Käfersberg abzweigt.

Der hellblau-metallicfarbene Mercedes CLK des 43-Jährigen stand in der Nähe (Hintergrund). Mit wem sich der Mann getroffen hatte, ist nach Angaben von Wolfgang Kramer noch unklar. Auch zur tödlichen Schussverletzung könnten keine Angaben gemacht werden: "Das ist Täterwissen – wir müssen uns da noch bedeckt halten."

Dass in den vergangenen Tagen diverse Gerüchte und Mutmaßungen hochkochten, weiß auch die Polizei. Über Drogengeschäfte in Lahr wurde ebenso spekuliert wie über mögliche Verbindungen zur türkisch-nationalistischen Rockergruppe "Osmanen Germania", die erst im März Ziel einer bundesweiten Großrazzia mit Verhaftung führender Köpfe war. "Das sind alles reine Spekulationen", sagt Polizeisprecher Kramer. Derzeit seien die Ermittlungen noch in alle Richtungen offen.

Kramer bat um Verständnis, dass über ermittlungstaktische Sachverhalte nichts veröffentlicht werden könne: "Wir geben auch nur abgeklärte Fakten heraus." Aktuell würden die aus der Bevölkerung eingegangenen Hinweise akribisch abgearbeitet. Zudem gebe es Vernehmungen im Umfeld des Opfers. Und möglicherweise führte ja auch die zweite Suchaktion zur bislang fehlenden heißen Spur. Wie die Polizei am Nachmittag meldete, konnten in dreistündiger Suche "Gegenstände sichergestellt werden, die möglicherweise mit dem Tatgeschehen in Verbindung stehen."
Hinweise

können an die Soko Kreisel über Tel. 0781/212820 sowie über das vertrauliche Telefon Tel. 0781/21-6666 gegeben werden.


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