Das habsburgische Weltreich erklingt

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Di, 15. Januar 2019

Offenburg

Das Neujahrskonzert der Philharmonie am Forum startet von Wien hinaus in die weite Welt / Glänzende Solisten.

OFFENBURG. Drei Stunden lang hat die Philharmonie am Forum in der fast vollen Oberrheinhalle ihr fünftes Neujahrskonzert bestritten. Das Konzert unter der Leitung von Rolf Schilli warf einen Blick in die Welt. In gewisser Weise orientiert am Wiener Modell mit den wichtigsten Walzern von Johann Strauß (Sohn) (1825 bis 1899), dem "Kaiserwalzer" op. 437, dem "Wiener Blut" op. 354, der dem Dänischen König Christian IX. gewidmet ist, und "An der schönen blauen Donau" op. 314 erhielt das Konzert seinen besonderen Charakter durch die Ergänzungen.

Ines Pasz, die bekannte SWR-Moderatorin, führte wie gewohnt charmant und souverän durch den Abend. Den an der Musikschule verpflichteten Murat Bay, bezeichnete sie als einen der besten Baglama-Spieler überhaupt, der zudem an der Verständigung zwischen Ost und West arbeite. Doch vor Bays Stück "Mekik", was so viel heißt wie "Nähmaschine" stand gewissermaßen hinleitend Strauß‘ "Märchen aus dem Orient" op. 444, ein Walzer, der dem wegen des Massakers an den Armeniern als der "große Schlächter" berüchtigte Sultan Abdülhamid II. gewidmet ist. Bays Spiel auf der Baglama, einer im orientalischen Raum verbreiteten Langhalslaute, ist faszinierend ausgeglichen, fingerflink und man hört förmlich die Nähmaschine rattern, begleitet von den Streichern der Philharmonie.

Die Philharmonie spielt in weiten Teilen sehr solide, Rolf Schilli legt einen großen Akzent auf die Inszenierung der Musik durch die Dynamik, das gerät dem Orchester manchmal jedoch heikel. Der Ungarische Tanz Nr. 1 von Johannes Brahms (1833 bis 1897) allerdings gelingt sehr souverän, ein Repertoire-Stück. "Unter Donner und Blitz" op. 324 wird das Publikum musikprogrammatisch mit Trommelgegrummel in die Pause entlassen.

Die zweite Besonderheit des Abends bestand in der Einbindung des Gitarrenensembles Cuadro Sur mit Armin Krüger, Thomas Vogt und Wolfgang Schubarth, das im zweiten Teil des Abends die südamerikanische Phase einleitete. Auch hier bereitete ein Stück von Strauß das Programm vor: "Rosen aus dem Süden" op. 388, kraftvoll und doch filigran, gediegen, fein und schwelgend.

Das Gitarrentrio wird ebenfalls von den Streichern sowie einer Percussiongruppe begleitet, neue Rhythmen, sachte Klänge, ebenso tänzerisch, aber auch herber. Mit Energie, Schwung und Lust klingen die Musik und ihre spielerische Interpretation. Folgerichtig glimmt danach die Sonne über "Asturien" von Isaac Albéniz (1860 bis 1909) in erzählerischer Interpretation.

Der Höhepunkt des Abends aber ist das Harfenspiel der 18-jährigen Marie Bortloff, die mit jugendlicher Frische, Unbekümmertheit und viel Spiellust den "Baroque Flamenco" der amerikanischen Harfenistin und Komponistin Deborah Henson-Conant (geboren 1953) souverän darbietet und der Harfe durch neuzeitliche Spielweisen frische, durchaus deftige Klänge abgewinnt. Nach Mexiko geht es im Anschluss mit Danzon No. 2 von Arturo Márquez (geboren 1950), das nach einem sanften melodiösen Beginn in der Klarinette und weich pulsenden Bässen schließlich mit Biss und Schmackes, mit Verve und Engagement beeindruckt.

Kein Neujahrskonzert ohne den Radetzky-Marsch als Zugabe, und dann unerwartet, es muss den Dirigenten sehr gefuchst haben, die anfangs verunglückten "Unter Donner und Blitz" noch einmal, nun formvollendet.