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11. August 2009

Die Edelbrände sind die Stars des Festes

5000 Gäste kamen zu "Nesselried brennt" / Es gab Spezialitäten aus der Gläsernen Bäckerei und Fußball-Prognosen des Magic Man

  1. Nesselried brennt nicht nur – sondern genießt auch. Foto: W. LöhniG

APPENWEIER-NESSELRIED. "Nesselried brennt" hat am Sonntag rund 5000 Besucher – und somit dreimal so viele wie Nesselried Einwohner hat – rund ums Rathaus des Appenweierer Ortsteils angelockt. Mittlerweile kommen die Gäste aus den Niederlanden bis südlich der Alpen, wie Ortsvorsteher Klaus Sauer berichtet. Das liege auch an der professionell gestalteten Homepage. "Nesselried brennt" hat den Ortsteil von Appenweier mittlerweile in weiten Kreisen bekannt gemacht.

"Das wirkt sich vermutlich auch auf unsere Übernachtungszahlen aus", sagte Sauer. Allerdings stehe dies nicht im Vordergrund. Ins Leben gerufen wurde das Fest 2007, um den Nesselrieder Brennern neue Vermarktungswege zu erschließen. Der Ort hat Sauer zufolge 110 Brennereien, vorwiegend für Kirschwasser und Williams. Ziel sei, eine Kundenbindung zu erreichen. Potenzielle Edelbrand-Käufer sollen nach Nesselried kommen. Ortsvorsteher Sauer bittet um Geduld. Auch Durbach habe seinen Bekanntheitsgrad in Sachen Wein nicht in zwei Jahren erreicht.

Getragen wird "Nesselried brennt" von einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, zu der sich neun Brenner zweckgebunden zusammengeschlossen haben. Das Fest habe von Anfang an eine sehr große Außenwirkung gezeigt. Sauer: "Wir sind bewusst damit in die Ferienzeit gegangen, um Feriengäste der näheren und weiteren Region zu erreichen." Dies gelinge auch. Auf besonders große Resonanz stoße man im Elsass, wie sich gezeigt habe. Um dort die Werbung zu verstärken war man am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, in Kehl wie auch in Offenburg mit Ständen und Infomaterial präsent, da dieser Tag gerne zu Einkaufstouren auf dieser Seite des Rheins genutzt werde. Desweiteren habe man Berichte in der elsässischen Tageszeitung "Dernières Nouvelles d’Alsace" lanciert, was sich auch ausgezahlt habe.

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Organisatorisch habe man am Samstag das Kinderprogramm ausgeweitet. Das sei sehr gut angenommen worden. Ausgeweitet wurden auch die Veranstaltungen am Sonntag, dem Haupttag des Festes, mit 25 verschiedenen Auftritten in den Höfen und auf den Plätzen. Zwölf Künstler und Gruppen aus dem Bereich Kleinkunst waren unterwegs, dazu belebten viele Vereine oder Gruppierungen aus dem Dorf das Fest. Zu den Höhepunkten gehörten die Auftritte des "Magic Man" Willi Auerbach. Der Magier aus Offenburg sagte um fünf Uhr das Ergebnis eines Bundesligaspiels voraus. Auf große Resonanz stieß die "gläserne Bäckerei", die am Sonntagmorgen eine in Nesselried entwickelte Brötchenspezialität anbot, den Nesselrieder Spitzweck.

Später eröffnete der Hof von Alois Vollmer seine "Gläserne Produktion". Sauer: "Es geht uns darum, den Gästen Einblicke in die Art und Weise zu bieten, wie in der Landwirtschaft oder im Handwerk gearbeitet wird." Auf dem Markt "Genuss und Kultur" wurde Produkten aus der Region angeboten. Die Marktbesucher kauften von Bauernbrot, Obst, Gemüse, Wurstwaren, Marmelade wie auch bäuerliches Handwerk.

Im Mittelpunkt des Festes standen natürlich die Edelbrände, die überall angeboten werden. "90 Prozent des Umsatzes machen wir beim Fest direkt", gesteht Sauer. Der Vertrieb über die Homepage von "Nesselried brennt" laufe aber an. Richard Vogt, Brenner und Landwirt im Nebenerwerb, schätzt die Außenwirkung des Festes sehr hoch ein. Dennoch sei es schwierig. "Eine Flasche Wein trinkt man mit Freunden zusammen an einem Abend", so Vogt. "Eine Flasche Kirschwasser nicht. Unser Produkt hält lange vor." Deshalb gebe es auch nicht die raschen Nachbestellungen.

Andererseits sei es ein ideales Mitbringsel. Dass viele über spezielle Brände neue Nischen suchen, sieht er skeptisch: "Zibärtle-Brand wird nur gut von wilden Früchten." Es habe sich gezeigt, dass der Anbau sich nicht lohne. "Wenn es zu viele machen, ist das Produkt nichts mehr wert." Ein Problem sei die veränderte Struktur in der Landwirtschaft. Viehhaltung gebe es nicht mehr, also pflanze man Kirschen oder Williams. Dadurch sei das Angebot sehr groß geworden.

Autor: Robert Ullmann