Die Snooker-Elite spielt in Offenburg

Christine Storck

Von Christine Storck

Fr, 15. April 2016

Offenburg

Am Wochenende wird mit dem Ortenau-Cup das bisher größte Turnier in der Region ausgetragen.

OFFENBURG. Snooker steht immer noch Schatten von Pool-Billard – doch die Zahl der "Süchtigen" wächst. Der Offenburger Snookerclub zum Beispiel ist 2009 mit zehn Mitgliedern gestartet, heute sind es rund 30, berichtet Abteilungsleiter Peter Wagner im Gespräch mit der BZ. Am Wochenende wird sich sogar die deutsche Snookerelite in Offenburg versammeln: Am 16. und 17. April ab 10 Uhr beim ersten Ortenau-Cup, dem größten je ausgetragenen Turnier in der Region. Der Amateurwettbewerb findet in den Räumen der "Snookersüchtigen" – so der Name des Offenburger Vereins – auf dem DJK-Gelände statt.

Das 32 Spieler starke Feld kann sich sehen lassen: Gemeldet sind einige internationale Starter, unter anderem ein mehrmaliger Irakischer Meister, der als Flüchtling in die Region kam und beim Ortenau-Cup, der immerhin ein Preisgeld von rund 1800 Euro vergibt, zu den Favoriten gehört. Das Turnier ist Teil der Deutschen Snooker-Tour, bei der die Spieler Ranglistenpunkte ergattern können. Wenn es gut läuft, könnte es die nächsten Jahre regelmäßig in Offenburg stattfinden, denkt Peter Wagner. Aber auch die Einheimischen müssen sich hinter der auswärtigen Konkurrenz nicht verstecken. Peter Wagner zum Beispiel, Leiter der Snooker-Abteilung in der DJK, ist erst vor kurzem zum siebten Mal Landesmeister der Herren in Baden-Württemberg geworden. Mit diesem Titel hat er den Fahrschein zur Deutschen Meisterschaft gelöst, die im November in Bad Wildungen stattfindet.

Doch das sind bei weitem nicht die größten Erfolge des gebürtigen Offenburgers. In den 90er Jahren holte er sich drei Mal den Deutschen Meistertitel und nahm sogar an vier Amateur-Weltmeisterschaften teil. "Ich hab mal davon geträumt, Profi zu werden, aber es hat leider nicht gereicht", erinnert er sich.

Heute spielt Peter Wagner vor allem Einzelturniere und kümmert sich um die Belange der "Snookersüchtigen", die auch ziemlich erfolgreiche Nachwuchstalente in ihren Reihen haben. Zwei Jugendliche haben bei den jüngsten Deutschen Meisterschaften den dritten und neunten Platz belegt, erzählt Wagner stolz. Der Verein habe außerdem eine Mannschaft in der Landesliga und eine in der Verbandsliga gemeldet – beide befinden sich derzeit auf Rang zwei. Der Offenburger Club zieht Begeisterte aus der ganzen Ortenau an – einen weiteren Verein hier in der Region gibt es nur noch in Goldscheuer.

Jeden Dienstag trifft sich die noch ausschließlich männliche Truppe im Alter von 15 bis 55 Jahren zum festen Training. Vier Snookertische stehen im DJK-Vereinsheim unterm Dach – alle Mitglieder der Abteilung haben freien Zutritt und können sich dort verabreden. Neulinge sind sehr willkommen, deshalb veranstalten der Verein am 1. Mai ab 11 Uhr einen Tag der Offenen Tür. Warum Snooker immer noch eine Männerdomäne ist, versteht Peter Wagner eigentlich nicht. "Es ist ja kein physischer Sport", meint er. Es gebe zwar einige erfolgreiche Frauen in der Szene, aber gerade der Profi-Bereich werde von Männern dominiert. Snooker ist – ähnlich wie Schach – ein sehr strategischer Sport, bei dem es auf Präzision und Kontrolle ankommt. "Das hat mich persönlich schon immer fasziniert", sagt Wagner. Der Reiz sei, das Spiel so perfekt wie möglich zu gestalten. Denn auf dem Tisch entstehen durch die 15 roten und sechs farbigen Kugeln immer neue "Bilder" und so die Herausforderung, durch vorausschauende Entscheidungen möglichst viele Punkte zu erzielen.